Eine deutliche Mehrheit der Menschen in Deutschland hat in den vergangenen drei Jahren eine Verschlechterung des gesellschaftlichen Zusammenhalts wahrgenommen. Vor allem Beleidigungen, Aggressivität und Egoismus prägen nach Einschätzung der Befragten zunehmend den Alltag.
77 Prozent der Bundesbürger haben in den vergangenen drei Jahren nach eigener Einschätzung erlebt, dass der Zusammenhalt in der Gesellschaft deutlich gelitten hat. Das geht aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor, die am Montag in Hamburg veröffentlicht wurde. Insgesamt bewerten 67 Prozent der Befragten das soziale Miteinander als schlecht oder sehr schlecht – sechs Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
86 Prozent derjenigen, die eine negative Entwicklung wahrnehmen, berichten von mehr Beleidigungen und Respektlosigkeit. Das sind neun Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 81 Prozent erleben eine Zunahme von Aggressivität, 79 Prozent mehr Egoismus und 76 Prozent eine wachsende Intoleranz und Ausgrenzung.
Vor allem öffentlicher Raum und Social Media betroffen
Eine Verschlechterung sehen die Befragten besonders im öffentlichen Raum, etwa beim Einkaufen oder im Straßenverkehr. 87 Prozent stellen dort einen raueren Umgang fest. 83 Prozent empfinden eine Verschlechterung in sozialen Netzwerken und Kommentarspalten. Beide Werte liegen über dem Niveau des Vorjahres. 42 Prozent nehmen zudem einen schlechteren Umgang an Schulen, Hochschulen und am Arbeitsplatz wahr. Nach Ansicht von 55 Prozent der Befragten sind vor allem Kinder und Jugendliche von dem negativen Trend betroffen, 53 Prozent sehen junge Erwachsene unter 40 Jahren besonders betroffen.
Bereitschaft zum Engagement
78 Prozent der Befragten sind nach Angaben der DAK überzeugt, dass sich ein besseres soziales Miteinander positiv auf die Gesundheit auswirken kann. 58 Prozent gaben an, sich bereits für mehr Zusammenhalt einzusetzen. Weitere 23 Prozent zeigten sich grundsätzlich bereit, aktiv zu werden.
„Das soziale Miteinander in Deutschland gerät zunehmend in eine Schieflage“, sagte DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Wenn die Mehrheit der Menschen im Alltag mehr Beleidigungen oder Aggressionen erlebe, brauche es darauf eine Antwort der Gesellschaft.


