Ein internationales Forschungsteam um Guido Valverde und Frank Maixner hat aus dem Zahn einer natürlich mumifizierten Person aus Bolivien ein nahezu vollständiges Genom des Erregers Streptococcus pyogenes rekonstruiert. Das Team veröffentlichte die Ergebnisse am Montag in Nature Communications. Es ist der erste gesicherte genomische Nachweis dieses Krankheitserregers in den Amerikas vor der europäischen Kolonisierung.
Streptococcus pyogenes, auch Gruppe-A-Streptokokken genannt, verursacht beim Menschen Erkrankungen von leichten Racheninfektionen bis hin zu schweren invasiven Verläufen. Der untersuchte Zahn stammt aus der Sammlung des Nationalen Archäologiemuseums MUNARQ in La Paz.
Eine Radiokarbon-Datierung ordnet die männliche Person im Alter von etwa 18 bis 25 Jahren dem Zeitraum zwischen 1283 und 1383 nach Christus zu. Eine Analyse der mitochondrialen DNA bestätigte die indigene amerikanische Abstammung.
Genom zu 99,98 Prozent vollständig
Das rekonstruierte Genom ist laut Studie zu 99,98 Prozent vollständig. Es enthält wichtige Virulenzgene, mit denen der Erreger das Immunsystem umgehen kann. Bestimmte von Prophagen getragene Toxingene fehlen jedoch. Der alte Stamm steht an der Basis der heutigen Vielfalt von Streptococcus pyogenes. Die meisten heutigen Linien fächerten sich laut Team in den vergangenen rund 5500 Jahren auf.
Die Isotopenanalyse des Zahns deutet laut Studie auf eine maisreiche Ernährung und geringe Aufnahme tierischen Proteins hin. Die Studie ist Teil des Projekts BOLD an der Eurac Research, einem privaten Forschungszentrum in Bozen, Südtirol, das anhand von rund 60 bolivianischen Mumien Gesundheit und Krankheitsgeschichte vorkolonialer Andenbevölkerungen untersucht.


