Gesundheit

Landärztemangel: Thüringen zeigt, wie’s anders geht

Das bundesweit einzigartige Modell der Stiftungspraxen ist ein Erfolg. Es wird von weiteren Maßnahmen flankiert. In Brandenburg spitzt sich die Unterversorgung an Ärzten zu.

Für Dr. Annette Rommel, Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen, ist das Stiftungsmodell ein großer Erfolg.
Für Dr. Annette Rommel, Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen, ist das Stiftungsmodell ein großer Erfolg.IMAGO

Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringens hat ein bundesweit einzigartiges Modell der Stiftungspraxen für Hausärzte geschaffen. Sie ermöglicht es Medizinern, zunächst als Angestellte zu arbeiten und später die Praxis zu übernehmen. So würden örtliche Versorgungslücken geschlossen und der Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtert. Laut den thüringischen Krankenkassen sind bislang 20 Stiftungspraxen entstanden.

Die Praxen verbleiben längere Zeit im Stiftungseigentum und können später an Nachfolger übergeben werden. Flankiert wird das Modell durch Stipendien der Landesregierung sowie durch die Abschaffung des Numerus Clausus für einen Teil der Medizinstudienplätze in Jena. Letzteres gilt aber nur, wenn angehende Mediziner zusichern, nach dem Studium mindestens zehn Jahre in Thüringen zu arbeiten.

Laut Kassenärztlicher Vereinigung könnten in Thüringen derzeit über 100 Hausarzt- und 35 Facharztpraxen gegründet werden. Besonders groß ist der Bedarf im Osten des Landes. Daher erhöhte das Sozialministerium die Haushaltsmittel für die Stiftungspraxen um 30 Prozent auf über zwei Millionen Euro.

Bundesweit sind Kleinstädte und der ländliche Raum betroffen

Der Mangel an Ärzten nimmt bundesweit zu. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung droht besonders in Kleinstädten und ländlichen Regionen bis 2040 ein Hausärztemangel. Um dem entgegenzuwirken, braucht es eine bessere Digitalisierung der Praxen, mehr Aufgabenübertragung an Pflegekräfte sowie eine gezielte Steuerung, um Nachwuchsärzte für unterversorgte Regionen zu gewinnen.

In Brandenburg fehlen derzeit 320 Hausärzte und 170 Zahnärzte. Es droht in 21 Städten eine hausärztliche Unterversorgung. Auch bei Fachärzten zeichnen sich Engpässe ab. Das Gesundheitsministerium Brandenburg schätzte im Sommer dieses Jahres, dass bis 2030 etwa 470 Zahnärzte ihre Tätigkeit in Praxen und medizinischen Versorgungszentren aufgeben werden. Das entspricht fast 40 Prozent aller derzeit in Brandenburg registrierten Zahnärzte.

Insbesondere Cottbus steuert mit intensiven Förderprogrammen gegen. Allein in diesem Jahr konnten dort laut kassenärztlicher Vereinigung Brandenburg drei Praxen zusätzlich gesichert werden.