Kritik am Krisenmanagement

„Skandalhungrige Journalisten“: BVG-Bereichsleiterin stellt sich vor Bürgermeister Wegner

Muss ein Bürgermeister in der Krise öffentlich sichtbar sein? Die Bereichsleiterin Infrastruktur der BVG findet nicht. Erst recht müsse er sich nicht mit „skandalhungrigen Journalisten“ abgeben.

Kai Wegner steht wegen seines Krisenmanagements in der Kritik.
Kai Wegner steht wegen seines Krisenmanagements in der Kritik.IMAGO/Chris Emil Janssen

Nach Kritik an dem Krisenmanagement des Regierenden Bürgermeisters nach dem Anschlag auf die Stromversorgung im Südwesten Berlins erhält Kai Wegner (CDU) Unterstützung der landeseigenen Betriebe – teils in drastischer Wortwahl. So kommentierte etwa die Leiterin des Bereichs Infrastruktur der BVG, Wencke Wallstein, einen kritischen Beitrag dieser Redaktion im sozialen Netzwerk LinkedIn mit den Worten, es sei nicht Wegners Aufgabe „vor Ort vor den Kameras der skandalhungrigen Journalisten“ zu stehen.

Bei der BVG hat man klare Vorstellungen davon, wie "gutes" Krisenmanagement aussieht.
Bei der BVG hat man klare Vorstellungen davon, wie "gutes" Krisenmanagement aussieht.Screenshot LinkedIn

Vielmehr habe er „getan, was ein guter Krisenmanager tut: ohne Blick auf persönliche Reputation die Krise gemanaged“. Krisenmanagement, erklärt Wallstein, bedeute im ersten Schritt nicht Sichtbarkeit, sondern Maßnahmen einleiten zur Bewältigung. „Mag sein, dass es viele gibt, die das nicht verstehen“, fügt sie hinzu.

Wegner steht derzeit massiv in der Kritik, weil er nach dem Stromausfall infolge eines linksterroristischen Anschlags auf das Stromnetz rund 10 Stunden lang nicht in der Öffentlichkeit sichtbar war. Noch immer sind rund Zehntausende Haushalte in Berlin ohne Strom und Heizung. Notstromaggregate für die breite Öffentlichkeit konnten bisher nicht bereitgestellt werden. Die Reparaturarbeiten an dem Netz sollen bis voraussichtlich Donnerstag andauern. Für die kommende Nacht sind Temperaturen von bis zu minus sieben Grad vorhergesagt.