Die beiden größten Städte Sachsen-Anhalts stehen vor massiven finanziellen Problemen. Magdeburg und Halle müssen zusammen ein Defizit von rund 200 Millionen Euro bewältigen – und die Folgen könnten die Bürger direkt treffen.
Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris (parteilos) erklärte am Montag in einem Interview mit MDR Sachsen-Anhalt, dass die Stadt vom Landesverwaltungsamt aufgefordert wurde, das Ergebnis im laufenden Haushalt um elf Millionen Euro zu verbessern. Bis November müsse ein Haushaltskonsolidierungskonzept vorgelegt werden. „Das wird wehtun", sagte Borris.
Konkret prüft die Stadtverwaltung, wo Ausgaben gesenkt und Einnahmen erhöht werden können. Gebührenerhöhungen bei städtischen Dienstleistungen stehen im Raum – auch höhere Kita-Beiträge. Borris verwies darauf, dass diese seit 2013 nicht angepasst worden seien, obwohl die Kosten erheblich gestiegen seien. Magdeburg habe die niedrigsten Kita-Gebühren in ganz Sachsen-Anhalt. Ein Teil möglicher Mehreinnahmen solle allerdings in die Verbesserung der Betreuungsqualität fließen.
Haushaltssperre gilt bis auf Weiteres
Dem Magdeburger Haushalt fehlen insgesamt rund 52 Millionen Euro für einen ausgeglichenen Etat. Das Landesverwaltungsamt genehmigte den Haushalt 2026 zwar, verknüpfte die Genehmigung jedoch mit strengen Auflagen. Borris informierte den Stadtrat darüber bereits am 22. Januar und verhängte eine Haushaltssperre, die bis auf Weiteres gilt.
Gleichzeitig betonte die Oberbürgermeisterin, dass Schließungen sozialer Einrichtungen oder von Schwimmbädern sowie ein starker Personalabbau vermieden werden sollen. Stattdessen fordert die Stadt mehr finanzielle Unterstützung von Bund und Land. Gemeinsam mit anderen Landeshauptstädten habe man Bundeskanzler Friedrich Merz angeschrieben. Zudem gebe es Gespräche mit Halle und Dessau-Roßlau. Die drei sogenannten Oberzentren – also die zentralen Versorgungsstädte des Landes – seien insgesamt mit rund 200 Millionen Euro unterfinanziert, so Borris.
Die Oberbürgermeisterin kritisierte außerdem, dass Kommunen neue Aufgaben wie die Bearbeitung von Wohngeldanträgen übernehmen müssten, ohne dafür ausreichend Geld zu erhalten. Wenn der Bund oder das Land zusätzliche Aufgaben übertragen, müsse die Finanzierung vollständig sichergestellt werden.
Halle in noch tieferer Finanznot
Noch gravierender ist die Lage in Halle an der Saale: Dort beläuft sich das Haushaltsdefizit laut MDR Sachsen-Anhalt auf rund 150 Millionen Euro. Der Betrieb sozialer Einrichtungen wird derzeit nur durch eine rechtliche Zwischenlösung bis Mai aufrechterhalten. Zusätzlich sorgten Kommunikationsfehler rund um angebliche Ausnahmegenehmigungen für Verwirrung bei Betroffenen und in der Öffentlichkeit.
Während Magdeburg vor allem auf Gebührenerhöhungen setzt, muss Halle einen komplett neuen Konsolidierungshaushalt erarbeiten. Der bisherige Sparplan reichte dem Landesverwaltungsamt nicht aus. Die Behörde, die als Kommunalaufsicht über die Haushalte der Städte wacht, verlangt von beiden Kommunen tragfähige Konzepte zur Sanierung ihrer Finanzen.


