Am 6. April 1966 lenkten die sowjetischen Militärpiloten Boris Kapustin und Juri Janow ihre havarierte Maschine in den Stößensee – und retteten damit möglicherweise zahlreiche Zivilisten in Spandau. Beide starben. Wenige Tage später würdigte der damalige Regierende Bürgermeister Willy Brandt die Tat der beiden Piloten in der SFB-Sendung „Wo uns der Schuh drückt“ – ein früher Vorbote der späteren Entspannungspolitik.
60 Jahre nach dem Ereignis beantragte der Kunsthistoriker Christian Hufen im Auftrag des Russischen Hauses in Berlin eine Lizenz für genau diesen Archivausschnitt bei rbb media, der kommerziellen Verwertungstochter des RBB. Die Anfrage wurde abgelehnt – ohne Begründung.
Der BSW-Abgeordnete und Berliner Landesvorsitzende Alexander King wandte sich daraufhin schriftlich an rbb media. Wochenlang folgten nur Zwischenbescheide. Eine inhaltliche Begründung blieb aus. „Besonders bedauerlich finde ich, dass die Kommunikation ohne Angabe von Gründen plötzlich abgebrochen wurde“, sagte King der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung (OAZ). Zur historischen Relevanz des Materials ergänzte er: „Diese menschliche Reaktion auf eine menschliche Tat war ein Ausgangspunkt für die Entspannungspolitik. Das Gedenken ist in der aktuellen internationalen Situation vielleicht wichtiger denn je.“
Als möglicher Hintergrund gilt der Veranstaltungsort: Das Russische Haus in der Friedrichstraße ist eine Außenstelle der russischen Staatsagentur Rossotrudnitschestwo, die seit 2022 im Fokus der EU-Sanktionspolitik steht. Belegen lässt sich ein Zusammenhang ohne Stellungnahme des Senders nicht. Auf eine Anfrage der OAZ lag bis Redaktionsschluss keine Antwort vor.
Die Ausstellung ist inzwischen eröffnet – ohne den Brandt-Ausschnitt von 1966.
