Überschuldung

Explodierende Privatinsolvenzen: Warum trotz Sparwillen immer mehr Deutsche scheitern

Die Zahl der Privatinsolvenzen ist auf ein Zehnjahreshoch. Besonders junge Erwachsene und Senioren geraten in die Schuldenfalle. Die Gründe sind aber völlig verschieden.

Die Privatinsolvenzen in Deutschland stiegen 2025 auf ein Rekordhoch.
Die Privatinsolvenzen in Deutschland stiegen 2025 auf ein Rekordhoch.IMAGO / McPHOTO

Die Zahl der Privatinsolvenzen in Deutschland ist 2025 auf den höchsten regulären Wert seit einem Jahrzehnt gestiegen. Fast 108.000 Verbraucher mussten Insolvenz anmelden, wie aus dem aktuellen Schuldenbarometer des Informationsdienstleisters CRIF hervorgeht. Das sind 7,8 Prozent mehr als im Vorjahr, als rund 100.000 Fälle gezählt wurden. Im Schnitt beliefen sich die Schulden der Betroffenen auf rund 15.000 Euro.

Die Gründe für den Anstieg sind laut CRIF vor allem die anhaltend hohen Energie- und Lebensmittelpreise. „Trotz einer grundsätzlich höheren Sparbereitschaft reichen die Rücklagen in vielen Haushalten nicht mehr aus, um die steigenden Kosten aufzufangen“, sagte CRIF-Geschäftsführer Frank Schlein. Arbeitslosigkeit, gescheiterte Selbstständigkeit, Trennungen und gesundheitliche Probleme bleiben die Hauptursachen. Für 2026 rechnet der Dienstleister mit einem weiteren Anstieg auf 110.000 Fälle.

Ratenkäufe im Internet werden zur Falle

Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei jungen Erwachsenen: Bei den 18- bis 20-Jährigen stiegen die Insolvenzen um 52,6 Prozent, bei den 21- bis 30-Jährigen um 28,6 Prozent. Nach Einschätzung von CRIF spielen dabei spontane Ratenkäufe und sogenannte „Buy now, pay later“-Angebote im Internet eine wesentliche Rolle. Auch bei den über 61-Jährigen nahmen die Fälle um 10,6 Prozent zu. Hier belasten vor allem steigende Mieten und stagnierende Renten.

Ostdeutschland: Nur in Sachsen steigen die Insolvenzen

Regional verlief die Entwicklung sehr unterschiedlich. Während die Insolvenzzahlen in Sachsen um 14,4 Prozent stiegen, gingen sie in Berlin, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern zurück. In Sachsen dürfte der Strukturwandel viele Menschen in prekäre Lagen gebracht haben. „Wir beobachten, dass Faktoren wie ein umfangreicher Niedriglohnsektor, befristete oder unsichere Beschäftigungsverhältnisse und Arbeitslosigkeit das Risiko von Privatinsolvenzen zusätzlich verschärfen“, erklärte Schlein.