Krankenversicherung

Pflege und Arznei viel teurer: Deutsche Gesundheitsausgaben haben sich in 30 Jahren verdreifacht

Deutschland gibt im Jahr mittlerweile weit über 500 Milliarden Euro für Gesundheit aus. Die gesetzliche Krankenversicherung hat die meisten Kosten. Der Trend geht weiter klar nach oben.

Die Gesundheitskosten in Deutschland steigen jährlich um Milliarden.
Die Gesundheitskosten in Deutschland steigen jährlich um Milliarden.Jens Kalaene/dpa

Die Deutschen haben im Jahr 2024 so viel für Gesundheit ausgegeben wie nie zuvor – und die Kosten dürften weiter rasant steigen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag mitteilte, beliefen sich die Gesundheitsausgaben auf 538,2 Milliarden Euro – ein Plus von 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Pro Kopf entspricht das 6444 Euro. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt stieg auf 12,4 Prozent.

Bereits für 2025 rechnet Destatis mit einem weiteren Anstieg auf geschätzt 579,5 Milliarden Euro – nochmals 7,7 Prozent mehr als 2024. Ein Abflachen der Kostendynamik ist damit nicht absehbar. Besonders stark wuchsen 2024 die Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung: Mit einem Plus von 11,3 Prozent erreichten sie 64,7 Milliarden Euro.

Mit einem Anteil von 55,9 Prozent blieb die gesetzliche Krankenversicherung der größte Ausgabenträger. Sie wendete 300,8 Milliarden Euro auf – 7,8 Prozent mehr als noch im Jahr 2023. Private Haushalte und private Organisationen ohne Erwerbszweck gaben 65 Milliarden Euro und damit 5,4 Prozent mehr als im Vorjahr aus, die private Krankenversicherung mit 44,8 Milliarden Euro und 9,7 Prozent mehr.

Preise für Pflege und Medikamente stark gestiegen

Fast die Hälfte aller Ausgaben – 259,4 Milliarden Euro – floss in den ambulanten Sektor, also etwa in Arztpraxen und Apotheken. Auf stationäre Einrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegeheime entfielen 197,7 Milliarden Euro.

Pflegerische Leistungen bildeten mit 135,9 Milliarden Euro die größte Einzelposition und verzeichneten mit 11,6 Prozent den stärksten Zuwachs aller Leistungsarten. Gestiegene Pflegepersonalkosten und höhere Pflegegeldzahlungen in der häuslichen Pflege sind laut Destatis die wesentlichen Treiber. Auch Arzneimittel verteuerten sich kräftig: Die Ausgaben stiegen um 9,3 Prozent auf 85,1 Milliarden Euro – unter anderem weil ein zuvor einmalig angehobener Herstellerrabatt für erstattungsfähige Medikamente auslief.

Die langfristige Entwicklung unterstreicht die Dimension des Wachstums: 1994 lagen die Gesundheitsausgaben noch bei 175,3 Milliarden Euro. Innerhalb von drei Jahrzehnten haben sie sich damit mehr als verdreifacht.

Eine von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte Expertenkommission hat am Montag in einem Bericht 66 Empfehlungen zur Stabilisierung des Beitragssatzes zur Gesetzlichen Krankenversicherung ab 2027 veröffentlicht. Die Empfehlungen sollen eine erste Grundlage für eine umfassende Reform des Gesundheitssystems bilden. Den gesetzlichen Krankenkassen wird nach aktuellen Prognosen ein Finanzdefizit von über 40 Milliarden Euro im Jahr 2030 vorhergesagt, die Beitragssätze steigen.