Grenzkonflikt

Pakistan und Afghanistan vereinbaren nach Gesprächen in China Deeskalation

Delegationen beider Länder berieten in Urumqi über eine Lösung des bewaffneten Konflikts. Peking nennt Terrorismus das Kernproblem der angespannten Beziehungen.

Taliban-Sicherheitskräfte bewachen ein Haus in Momand Dara nahe der Grenze zu Pakistan, das bei den jüngsten Kämpfen getroffen wurde.
Taliban-Sicherheitskräfte bewachen ein Haus in Momand Dara nahe der Grenze zu Pakistan, das bei den jüngsten Kämpfen getroffen wurde.Hedayat Shah/AP

Nach von China vermittelten Gesprächen haben sich Pakistan und Afghanistan darauf verständigt, den bewaffneten Konflikt nicht weiter zu verschärfen. Das gab die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Mao Ning, am 8. April auf einer Pressekonferenz in Peking bekannt.

Vertreter aller drei Staaten hatten vom 1. bis 7. April informelle Gespräche in der westchinesischen Stadt Urumqi geführt. Die Delegationen umfassten laut Mao Vertreter der Bereiche Außenpolitik, Verteidigung und Sicherheit. Die drei Parteien einigten sich darauf, über einen umfassenden Plan zur Lösung der bilateralen Streitpunkte zu beraten. China habe betont, dass Terrorismus das Kernproblem in den Beziehungen zwischen Afghanistan und Pakistan sei.

Afghanistans Außenministeriumssprecher Abdul Qahar Balkhi bestätigte den Abschluss der Gespräche am Donnerstag auf der Plattform X. Balkhi dankte Peking für die Gastgeberrolle und äußerte die Erwartung, dass der Prozess Vertrauen stärken und Zusammenarbeit fördern werde. Pakistans Außenministerium gab laut der pakistanischen Zeitung Dawn keine Stellungnahme ab. China erklärte sich bereit, weiterhin als Plattform für Gespräche zu dienen.

Luftangriffe und humanitäre Folgen

Der Konflikt hatte sich seit Ende Februar zugespitzt. In der Nacht vom 26. auf den 27. Februar startete Pakistan eine Militäroperation gegen mutmaßliche Verstecke der pakistanischen Taliban-Gruppe TTP in Afghanistan. Dabei führte Pakistan auch Luftangriffe auf afghanischem Gebiet durch, unter anderem in Kabul, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete. Die Taliban-Regierung in Kabul wies den Vorwurf zurück, der TTP Unterschlupf zu gewähren. Auch Afghanistan griff Ziele im Nachbarland an.

Die Kämpfe haben inzwischen auch schwere Folgen für die Zivilbevölkerung. Nach Angaben der Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) wurden in dem Land zwischen dem späten Abend des 26. Februar und dem 5. März durch indirekten Beschuss und Luftangriffe mindestens 56 Zivilisten getötet und 129 weitere verletzt. Zu den zivilen Opfern zählt auch der Luftangriff auf das Omid-Entzugskrankenhaus in Kabul am 16. März, bei dem nach Angaben der UN-Mission Dutzende Menschen getötet oder verletzt wurden.

Besonders betroffen ist die ohnehin fragile Grenzregion zwischen beiden Ländern. Dort hatte bereits im vergangenen Jahr ein schweres Erdbeben große Schäden angerichtet.

Nach Angaben des UN-Büros für humanitäre Hilfe hat der Konflikt 94.000 Menschen vertrieben. Rund 100.000 Menschen in zwei afghanischen Grenzbezirken seien seit Februar vollständig von der Versorgung abgeschnitten, berichtete AP unter Berufung auf die Vereinten Nationen. Auch während der Gespräche in Urumqi warf Afghanistan Pakistan grenzüberschreitenden Beschuss vor.