Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre hat am Montag das neue Regierungsviertel in Oslo offiziell eröffnet. Wie die norwegische Regierung mitteilte, kehrt der Staat damit 15 Jahre nach dem Terroranschlag vom 22. Juli 2011 an den Ort zurück, an dem eine Autobombe acht Menschen tötete und mehrere Regierungsgebäude schwer beschädigte. In seiner Eröffnungsrede sprach Støre von einem „Wiederaufbau nach dem Terror“.
Støre eröffnete das Quartier vor der Høyblokka, dem 1958 fertiggestellten Hochhaus des alten Regierungsviertels, das nach dem Anschlag saniert wurde. Nach Angaben der Regierung arbeiten dort bereits rund 2200 Beschäftigte aus sechs Ministerien und dem Amt des Ministerpräsidenten. Das Außenministerium zieht erstmals in das Regierungsviertel ein. Støre begründete den Umzug mit kürzeren Wegen und engerer Zusammenarbeit innerhalb der Regierung.
Zuerst detonierte am 22. Juli 2011 im Regierungsviertel eine nach Angaben der Untersuchungskommission etwa 950 Kilogramm schwere Autobombe. Danach fuhr der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik nach Utøya und erschoss dort Teilnehmer des Sommerlagers der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF. Insgesamt starben 77 Menschen, davon 69 auf der Insel.
2012 verurteilte das Osloer Bezirksgericht Breivik für die Anschläge zu 21 Jahren Sicherungsverwahrung; die Strafe kann verlängert werden. Breivik sitzt weiter in Haft, nachdem ein Gericht seine vorzeitige Entlassung im Dezember 2024 erneut ablehnte.
Anderthalb Jahrzehnte im Provisorium
Seit dem Anschlag arbeiteten das Amt des Ministerpräsidenten und mehrere Ministerien in Ausweichquartieren über Oslo verteilt. Nun ziehen sie schrittweise ins Regierungsviertel zurück. Støre kündigte an, dass im Juli auch das permanente 22.-Juli-Zentrum und das nationale Mahnmal im Quartier eröffnet werden sollen.
Die erste Bauphase umfasste nach Angaben der Regierung 101.000 Quadratmeter Neubau und Sanierung. Dazu gehören die restaurierte Høyblokka sowie zwei Neubauten. Der vom Parlament gesetzte Kostenrahmen lag bei 24,7 Milliarden norwegischen Kronen, umgerechnet rund 2,22 Milliarden Euro. Die erwarteten Baukosten liegen laut Statsbygg, der staatlichen norwegischen Bau- und Immobilienverwaltung, mehr als zwei Milliarden Kronen oder gut 180 Millionen Euro darunter.
Gebaut wird weiter. Für den ersten Teil der zweiten Bauphase veranschlagt die Regierung 8,6 Milliarden norwegische Kronen, umgerechnet rund 774 Millionen Euro. Dieser Abschnitt könnte 2029 fertig werden. Über weitere Teile des Projekts muss das Parlament noch entscheiden. Der Wiederaufbau wurde politisch und städtebaulich kontrovers diskutiert. Der Konflikt zwischen Sicherheitslogik und Denkmalschutz prägte die Debatte in Norwegen jahrelang.


