Die Zahl der Angriffe durch Banking-Trojaner auf Android-Smartphones ist im vergangenen Jahr drastisch gestiegen. Laut dem Mobile Threat Report 2025 des IT-Sicherheitsunternehmens Kaspersky nahmen die Attacken um rund 56 Prozent zu. Gleichzeitig identifizierten die Sicherheitsexperten 255.090 neue Trojaner-Varianten – etwa dreimal so viele wie im Vorjahr.
Die Schadsoftware nutzt dabei ausgefeilte Techniken, um an das Geld der Betroffenen zu gelangen. In Deutschland ist laut dem Bericht etwa der Trojaner „Trojan-Proxy.AndroidOS.Agent.q" verbreitet, der sich als Rabatt-App einer Supermarktkette tarnt. Einmal installiert, stiehlt das Programm Zugangsdaten, PINs und TANs, legt für den Nutzer unsichtbare Eingabefelder über Banking-Apps und kann eigenständig SMS versenden oder löschen. Betroffene bemerken den Betrug häufig erst, wenn sie ihre Kontoauszüge prüfen und nicht autorisierte Transaktionen entdecken.
Vorinstallierte Hintertüren als zusätzliches Risiko
Neben den klassischen Trojanern soll es auch eine zunehmende Verbreitung sogenannter Backdoors geben – also Hintertüren in der Software. Anton Kivva, Leiter des Malware-Analyse-Teams bei Kaspersky, erklärte, dass Nutzer in manchen Fällen bereits infizierte Geräte kaufen, ohne dies zu wissen. „Ist eine solche Backdoor in die Firmware integriert, können Angreifer nahezu die vollständige Kontrolle über Smartphones oder Tablets erlangen", so Kivva.
Android-Geräte sind aus mehreren Gründen besonders anfällig: Sicherheitsupdates erreichen die Nutzer je nach Hersteller und Modell oft verspätet oder gar nicht mehr. Kriminelle nutzen diese Zeitfenster gezielt aus, um bekannte Schwachstellen auszubeuten. Hinzu kommt, dass bei der Installation von Apps weitreichende Zugriffsrechte auf andere Programme erteilt werden können – eine infizierte Anwendung kann so als Einfallstor für weitere Übergriffe dienen. Vielen Android-Geräten fehlt zudem ein vorinstallierter Virenscanner, der Banking-Trojaner erkennen könnte.
Bankenwahl und Verhaltensregeln als Schutzmaßnahmen
Sicherheitsexperten raten Nutzern, bereits bei der Wahl der Bank auf deren Sicherheitsstandards zu achten. Die Unterschiede zwischen den Instituten seien nach wie vor erheblich. Als besonders sicher gilt ein System, bei dem der Zugriff auf das Online-Banking und die Bestätigung von Überweisungen über zwei voneinander unabhängige Apps erfolgen – wobei die Freigabe etwa über biometrische Daten wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung abgesichert wird.
Darüber hinaus empfehlen Fachleute konkrete Verhaltensregeln: Nutzer sollten ausschließlich über die offizielle Banking-App auf ihr Konto zugreifen und niemals über Links in E-Mails. Nach jeder Sitzung sollte eine aktive Abmeldung erfolgen, um zu verhindern, dass Kriminelle offene Sessions ausnutzen. Ein Tageslimit für Überweisungen kann im Betrugsfall den finanziellen Schaden begrenzen. Für das Online-Banking sollten ausschließlich eigene Geräte und das eigene WLAN verwendet werden. Erscheint bei einer Überweisung etwas ungewöhnlich, raten Fachleute dazu, den Vorgang abzubrechen und die Bank zu kontaktieren.


