Menschen, die sich das Rauchen abgewöhnen, haben eine höhere Schmerz- und Reizempfindlichkeit. Insbesondere nach medizinischen Eingriffen reagieren diese empfindlicher und verlangen nach mehr Schmerzmitteln. Je stärker die Entzugserscheinungen, desto ausgeprägter ist dieser Effekt.
Höhere Schmerzsensitivität und Schmerzmittelbedarf
Forscher der Fudan University in Shanghai wollten verstehen, warum dieser Effekt auftritt und wie lange er anhält. Für die Untersuchung teilten die Wissenschaftler 60 männliche Patienten zwischen 18 und 60 Jahren in zwei Gruppen ein: 30 hatten bis zu einem Monat vor einer geplanten Leberoperation mit dem Rauchen aufgehört, die anderen 30 waren Nichtraucher.
Vor dem Eingriff testeten die Forscher die Schmerzempfindlichkeit mit elektrischen und mechanischen Reizen. Das Ergebnis: Ex-Raucher reagierten deutlich sensibler auf Schmerz als die Vergleichsgruppe. Auch nach der OP benötigten sie in den ersten 48 Stunden mehr Schmerzmittel, vor allem Opioide. „Abstinente Raucher zeigten niedrigere Schmerzschwellen und einen höheren Analgetikabedarf“, so die Studie.
Nach drei Monaten normalisiert sich das Schmerzempfinden
Mithilfe von Hirn-Scans analysierten die Experten, was während des Entzugs im Gehirn passiert. Es zeigte sich, dass der Nikotinverzicht mehrere Regionen beeinflusst, die an der Schmerzwahrnehmung beteiligt sind. Das entstehende Ungleichgewicht könnte erklären, warum das Gehirn während des Entzugs Schmerzsignale verstärkt wahrnimmt und schlechter filtert.
Die erhöhte Schmerzempfindlichkeit hielt jedoch nicht dauerhaft an. Nach etwa drei Monaten hatten sich die Werte der Ex-Raucher weitgehend normalisiert. Die Autoren folgern, dass der Effekt auf eine bestimmte Entzugsphase begrenzt ist.
Entzugssymptome verstärken den Effekt
Bei Patienten mit starken Entzugserscheinungen wie Unruhe, Reizbarkeit oder Schlafstörungen trat der Effekt stärker auf. Diese Personengruppe benötigte postoperativ mehr Schmerzmittel.
Körperliche und psychische Entzugsreaktionen scheinen sich also gegenseitig zu verstärken: Der Körper wird sensibler für Schmerz, während die dämpfende Wirkung des Gehirns nachlässt. Diese Kombination kann den Heilungsprozess nach OPs erschweren.
