Mehr als 50 Jahre nach der letzten bemannten Mondmission will die Nasa in der Nacht zum Donnerstag wieder Astronauten zum Erdtrabanten schicken. Um 00.24 Uhr MESZ soll die 98 Meter hohe Trägerrakete SLS vom Kennedy Space Center in Cape Canaveral starten – nur eine Startrampe entfernt von dem Ort, von dem einst die letzten Apollo-Astronauten ins All aufbrachen. Es ist der erste bemannte Flug der Rakete.
Mission Artemis 2: Historische Crew
Die Besatzung der Mission Artemis 2 besteht aus vier Astronauten, die in mehrfacher Hinsicht Neuland betreten. Kommandant ist der US-Astronaut Reid Wiseman. Pilot Victor Glover ist der erste Schwarze Mensch, der für eine Mondmission ausgewählt wurde. Christina Koch wird als erste Frau zum Mond fliegen. Der Kanadier Jeremy Hansen ist der erste Nicht-US-Amerikaner bei einem solchen Flug.
Action. Wonder. Adventure. Artemis II has got it all. Don't miss the moment. Our crewed Moon mission will launch as early as April 1.
— NASA (@NASA) March 30, 2026
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Technik aus Berlin und Bremen an Bord
Auch deutsche Raumfahrttechnik spielt eine wichtige Rolle. Das Europäische Servicemodul der Orion-Kapsel wurde in Bremen gebaut und liefert Antrieb, Strom und Versorgungssysteme. Auch ein Berliner Start-up ist an der Mission beteiligt: Das Unternehmen Neurospace schickt mit „Tacheles“ einen eigenen Kleinsatelliten ins All. Er soll testen, wie empfindliche Elektronik den extremen Bedingungen im Weltraum standhält – eine Schlüsseltechnologie für künftige Mond-Rover. Zudem sind Strahlungsdetektoren des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt an Bord.
We're going around the Moon. Come watch with us. Artemis II's four-astronaut crew is lifting off from @NASAKennedy on an approximately 10-day mission that will bring us closer to living on the Moon and Mars. The launch window opens at 6:24pm ET (2224 UTC). https://t.co/X27QJejNDt
— NASA (@NASA) April 1, 2026
Keine Mondlandung geplant
Die Mission dauert rund zehn Tage. Eine Landung ist nicht geplant. Stattdessen umrundet die Crew den Mond und kehrt anschließend zur Erde zurück. Dabei wird das Raumschiff rund 6400 Kilometer über den Mond hinausfliegen. Damit entfernen sich die Astronauten weiter von der Erde als je ein Mensch zuvor. Den bisherigen Rekord hält die Besatzung der Apollo-13-Mission aus dem Jahr 1970.
Auf der Rückseite des Mondes wird der Funkkontakt zur Erde vorübergehend abbrechen. Außerdem soll die Crew den Südpol des Mondes beobachten – eine Region, in der die Nasa später landen will.
Tests im Erdorbit
Bevor es Richtung Mond geht, sind Tests in der Erdumlaufbahn geplant. Die Astronauten überprüfen unter anderem die Lebenserhaltung, die Kommunikation und die Steuerung der Orion-Kapsel. Nach etwa drei Stunden sollen sie das Raumschiff auch manuell steuern, um die Manövrierfähigkeit zu testen. Die Mission ist ein wichtiger Testlauf für spätere Landungen.

Milliardenprojekt mit Problemen
Die SLS-Rakete gehört zu den teuersten Raumfahrtprojekten der Geschichte. Schätzungen zufolge kostet ein Start mehrere Milliarden US-Dollar.
Der Zeitplan wurde mehrfach verschoben, unter anderem wegen eines Wasserstofflecks. Vor dem Start begann die Nasa mit der Betankung von mehr als 2,6 Millionen Litern Treibstoff. Bis zum Mittwochvormittag wurden keine neuen Probleme gemeldet.
Wettlauf zum Mond
Artemis 2 ist Teil eines größeren Programms. Ziel ist es, wieder Menschen auf dem Mond landen zu lassen – derzeit geplant für 2028. Langfristig soll dort sogar eine Basis entstehen. Im Hintergrund läuft ein geopolitischer Wettbewerb. Auch China plant eine bemannte Mondlandung, etwa im Jahr 2030.
Brushing up on procedures, @Astro_Jenni is minutes away from heading to the rocket to perform final checks…and install our little buddy #Rise in the spacecraft. pic.twitter.com/cwvcdmuDJj
— Reid Wiseman (@astro_reid) April 1, 2026
Spannung vor dem Start
Rund um das Kennedy Space Center versammelten sich zahlreiche Zuschauer. Viele verbinden den Start mit Erinnerungen an die Apollo-Missionen. „Es ist Zeit zu fliegen“, schrieb Kommandant Wiseman vor dem Start.
Wenige Stunden vor dem geplanten Start begann die Nasa mit der Betankung der Rakete. Dabei werden die Tanks der 98 Meter hohen SLS mit extrem kaltem Wasserstoff und Sauerstoff gefüllt. Ob der Start wie geplant erfolgt, hängt auch vom Wetter ab. Sollte es Probleme geben, stehen in den kommenden Tagen weitere Startfenster zur Verfügung.

