Nahost

Ölpreis steigt nach iranischen Raketenangriffen auf Gasanlagen in Katar und Saudi-Arabien

Steigende Risiken und Kosten für die Weltwirtschaft: Teherans Raketenbeschuss trifft die zentrale Energieinfrastruktur am Golf und treibt die Ölpreise in die Höhe.

Eine Gasförderanlage im Industriezentrum Ras Laffan. Katar ist einer der größten Produzenten von Flüssigerdgas.
Eine Gasförderanlage im Industriezentrum Ras Laffan. Katar ist einer der größten Produzenten von Flüssigerdgas.Tim Brakemeier/dpa

Nach erneuten iranischen Raketenangriffen auf Energieanlagen in Katar und Saudi-Arabien ist der Ölpreis am Donnerstag sprunghaft gestiegen. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um bis zu fünf Dollar auf 112,86 Dollar je Barrel, wie Reuters meldete. Die US-Referenzsorte WTI legte zwischenzeitlich um mehr als drei Dollar auf 97,28 Dollar zu.

Der staatliche katarische Energiekonzern QatarEnergy berichtete am Donnerstag von „großflächigen Bränden“ und schweren Schäden an mehreren Flüssiggas-Anlagen in der Industriestadt Ras Laffan. Die Anlage verarbeitet rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdgases. Bereits am Mittwoch hatte QatarEnergy „erhebliche Schäden“ nach einem ersten Raketenbeschuss gemeldet. Katar wies daraufhin Teile des iranischen Botschaftspersonals aus, wie AP am Donnerstag berichtete.

Saudi-Arabien erklärte, vier ballistische Raketen auf Riad sowie einen Drohnenangriff auf eine Gasanlage im Osten des Landes abgefangen und zerstört zu haben. Die Vereinigten Arabischen Emirate schlossen ihre Habshan-Gasanlage, nachdem auch sie Raketen abgefangen hatten. Das Außenministerium in Abu Dhabi sprach von einem „terroristischen Angriff“ Irans.

Shell bestätigt Angriff auf Industrieanlage

Der britische Energiekonzern Shell bestätigte am Donnerstag auf seiner Unternehmenswebsite, dass bei dem Angriff am Vorabend auf die Industriezone Ras Laffan auch eine Anlage des Unternehmens beschädigt wurde. Bei dem Vorfall brach demnach in der sogenannten Pearl-GTL-Anlage – einer der weltweit größten Anlagen zur Umwandlung von Erdgas in flüssige Kraftstoffe – ein Brand aus, der laut Shell jedoch rasch gelöscht werden konnte.

Sämtliche Mitarbeiter und Auftragnehmer vor Ort seien in Sicherheit, teilte das Unternehmen mit. Mögliche Schäden an der Pearl-GTL-Anlage würden derzeit geprüft. Shell arbeite gemeinsam mit dem staatlichen katarischen Energieunternehmen QatarEnergy sowie den zuständigen Behörden daran, das Ausmaß der Schäden an den übrigen Einrichtungen der Ras Laffan Industrial City zu ermitteln. Darüber hinaus gab Shell bekannt, dass die Produktion von Flüssigerdgas (LNG) in Katar bereits seit Anfang März eingestellt ist.

Israels Angriff auf South Pars als Auslöser

Vorausgegangen war ein israelischer Angriff auf das South-Pars-Gasfeld im Iran am Mittwoch. South Pars ist der iranische Teil der weltweit größten Erdgaslagerstätte, die sich Iran und das US-verbündete Katar im Persischen Golf teilen. Iran hatte daraufhin Vergeltungsangriffe auf Energieinfrastruktur in mehreren Golfstaaten angekündigt und vorab Evakuierungswarnungen für Ölanlagen in Saudi-Arabien, den VAE und Katar herausgegeben.

Der Anstieg des Ölpreises ist vor allem deshalb brisant, weil er längst nicht mehr nur eine Marktreaktion auf einzelne Angriffe ist: Reuters zufolge wächst die Sorge, dass sich die Störungen auf Förderanlagen, Flüssiggas-Ausfuhren und vor allem auf die Transportwege im Golf mit der Eskalation des Krieges noch ausweiten. Damit steigt das Risiko teurerer Energie, höherer Fracht- und Versicherungskosten und neuer Inflationsschübe weit über die Region hinaus.

Muslimische Staaten fordern Stopp der Angriffe

Die Außenminister von mehreren arabischen und islamisch geprägten Staaten verurteilten die iranischen Angriffe bei einem Treffen in Riad und forderten ein Ende der Eskalation. Irans Beschuss ziviler Infrastruktur und bewohnter Gebiete sei „unter keinen Umständen zu rechtfertigen“, hieß es in der gemeinsamen Erklärung.

Saudi-Arabiens Außenminister Prinz Faisal bin Farhan sagte am Donnerstag, man behalte sich militärische Maßnahmen vor. Während der Konferenz feuerten Sicherheitskräfte in der Nähe des Tagungshotels Abfangraketen ab.

Nach Angaben von Reuters erwägt die US-Regierung die Entsendung tausender zusätzlicher Soldaten in die Region. Zu den Optionen gehöre die Sicherung der Straße von Hormus für Öltanker – eine Meerenge, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels fließt. Der Konflikt belastet nach Einschätzung von AP zunehmend die Weltwirtschaft: Steigende Ölpreise verteuern rund um den Globus Benzin und andere Güter.

Die US-Notenbank Federal Reserve hielt am Mittwoch die Zinsen stabil und rechnete mit steigender Inflation infolge des Krieges. Seit Beginn der US-israelischen Angriffe am 28. Februar starben nach Schätzungen der US-Menschenrechtsorganisation HRANA 3114 Menschen im Iran. In Libanon kamen nach Behördenangaben 968 Menschen ums Leben, mindestens 13 US-Soldaten starben.

Hintergrund des Krieges

Die USA und Israel begannen den Krieg nach monatelangen Vorbereitungen am 28. Februar mit Luftangriffen auf Iran – während noch Verhandlungen mit Teheran liefen. Der US-Präsident begründete diesen Schritt mit dem Atom- und Raketenprogramm des Iran sowie einer angeblich unmittelbaren Bedrohung für die USA und ihre Verbündeten.

Bei den ersten Angriffen auf Irans Hauptstadt war das politische und geistlichen Oberhaupt des Landes, Ali Chamenei, getötet worden; zum Nachfolger wurde sein Sohn Modschtaba Chamenei ernannt. Der Iran reagierte auf die US-israelischen Angriffe mit Vergeltungsschlägen, die sich gegen US-Militäreinrichtungen und Infrastrukturanlagen in mit den USA verbündeten Golfstaaten richten.