Der Bergbaukonzern Energy Transition Minerals (ETM) hat mitgeteilt, die grönländische Regierung habe signalisiert, dass sie eine Verlängerung der Abbaulizenz für das Seltene-Erden-Projekt Kvanefjeld ablehne. Das gab ETM am 7. April 2026 in einer Börsenmeldung an der australischen Börse ASX bekannt. Die Aktie fiel laut Reuters nach Wiederaufnahme des Handels um 5,6 Prozent.
Kvanefjeld, in der Landessprache Kuannersuit genannt, liegt nahe der Kleinstadt Narsaq im Süden Grönlands. ETM zählt die Lagerstätte zu den drei größten Seltene-Erden-Vorkommen außerhalb Chinas. ETM-Geschäftsführer Daniel Mamadou zufolge könnte das Projekt bis zu 15 Prozent der weltweiten Produktion seltener Erden außerhalb Chinas liefern. Seltene Erden werden unter anderem für Elektronik, Windturbinen, Elektrofahrzeuge und Waffensysteme benötigt.
ETM ist die heutige Firmenbezeichnung der früheren Greenland Minerals. Das börsennotierte Unternehmen mit Hauptsitz in Melbourne ist auf strategische Metalle und Mineralien spezialisiert.
Rechtsstreit um das Projekt läuft seit 2023
Das zuständige Ministerium in Nuuk erklärte, weitere Erkundungsarbeiten seien nicht mehr sinnvoll. Eine Abbaulizenz könne unter dem geltenden Rechtsrahmen nicht erteilt werden. ETM zufolge stützt sich diese Begründung auf das 2021 verabschiedete Uran-Gesetz, das die Erkundung und den Abbau uranhaltiger Lagerstätten in Grönland verbietet.
Genau dieses Gesetz ist Gegenstand eines Rechtsstreits, den ETM 2023 angestoßen hat. Dabei geht es um die Frage, ob die ETM-Tochter Greenland Minerals A/S einen Rechtsanspruch auf eine Abbaulizenz besitzt.
ETM bezeichnete die Position des Ministeriums für Rohstoffe laut Reuters als „inkonsistent“: Grönland habe die Explorationslizenz in der Vergangenheit mehrfach verlängert – auch nach Inkrafttreten des Uran-Gesetzes und während des laufenden Rechtsstreits. Zudem habe das Ministerium 2025 einen Antrag von ETM abgelehnt, während des Verfahrens von weiteren Ausgaben für die Erkundung befreit zu werden.
Proteste und Parlamentswahl stoppten das Projekt 2021
Der Konflikt um Kvanefjeld reicht Jahre zurück. 2021 gewann die linksgerichtete Unabhängigkeitspartei Inuit Ataqatigiit die Parlamentswahl in Grönland unter anderem mit dem Versprechen, das Projekt zu stoppen.
Anwohner in Narsaq hatten zuvor gegen den geplanten Abbau protestiert. Sie befürchteten Umweltschäden und Gesundheitsrisiken durch radioaktive Abfälle und eine Gefährdung der nahe gelegenen Unesco-Welterbestätte Kujataa, einer geschützten Kulturlandschaft im Süden Grönlands. Die Regierung verabschiedete daraufhin ein Gesetz, das den Abbau von Lagerstätten mit einem zu hohen Urangehalt verbietet.
ETM hat nach eigenen Angaben seit 2007 mehr als eine Milliarde dänische Kronen in das Projekt investiert – umgerechnet rund 138 Millionen US-Dollar. Größter Einzelaktionär des Unternehmens ist mit sieben Prozent Shenghe Resources, ein international tätiger chinesischer Konzern aus der Sparte seltener Erden.
Westliche Staaten versuchen seit Längerem, ihre Versorgung mit kritischen Mineralien breiter aufzustellen und die Abhängigkeit von China zu verringern. Dabei geht es nicht nur um den Abbau, sondern auch um Investitionen, Weiterverarbeitung und die Absicherung strategischer Lieferketten.
Begehrte Rohstoffe im Hohen Norden
Grönland ist die größte Insel der Welt und ein selbstverwaltetes Gebiet im Königreich Dänemark. Auf der arktischen Insel im Nordatlantik zwischen Kanada und Island leben rund 56.700 Menschen, die große Mehrheit gehört der Inuit-Bevölkerung an; Amtssprache ist Kalaallisut. Wirtschaftlich hängt Grönland bis heute stark von der Fischerei und einem hohen dänischen Finanzzuschuss ab.
Zugleich ist die Insel wegen ihrer großen Vorkommen an kritischen Rohstoffen geopolitisch in den Blick geraten. US-Präsident Donald Trump hatte wiederholt damit gedroht, die Kontrolle über Grönland übernehmen zu wollen, und dies mit nationaler Sicherheit begründet.
Dahinter stehen neben militärstrategischen Überlegungen auch wirtschaftliche Interessen: In Südgrönland lagern in den Stätten Kringlerne und Kvanefjeld große Vorkommen seltener Erden, weitere Rohstofflager liegen im Südwesten und Osten der Insel.
In der aktuellen Lizenzfrage hat Dänemark nicht mitzuentscheiden, weil Grönland seit der Selbstverwaltung 2009 für Mineralressourcen und Umweltfragen im Bergbau selbst zuständig ist.
Im Rechtsstreit fordert ETM eine Entschädigung von Dänemark und Grönland, die laut dem grönländischen Sender KNR bei rund 76 Milliarden dänischen Kronen liegt. Das Unternehmen kündigte an, alle verfügbaren rechtlichen Optionen zu prüfen.


