Konflikte

Kosovo: Serben errichten Barrikade in geteilter Stadt Mitrovica

Mit Lastwagen versperren Serben einen der Zugänge zu einem von Bosniaken bewohnten Viertel in Mitrovica. Der serbische Präsident versetzt das Militär erneut in erhöhte Alarmbereitschaft.

Mehrere Lastwagen, die mit Steinen und Sand beladen sind, versperren seit Dienstagfrüh einen der Zugänge zu einem von Bosniaken bewohnten Viertel in Mitrovica. 
Mehrere Lastwagen, die mit Steinen und Sand beladen sind, versperren seit Dienstagfrüh einen der Zugänge zu einem von Bosniaken bewohnten Viertel in Mitrovica. AP/Bojan Slavkovic

Militante Serben haben erstmals im Zuge der gegenwärtigen Spannungen im Kosovo eine Barrikade im Norden der geteilten Stadt Mitrovica errichtet. Mehrere Lastwagen, die mit Steinen und Sand beladen sind, versperren seit Dienstagfrüh einen der Zugänge zu einem von Bosniaken bewohnten Viertel, berichtete das in der Stadt ansässige serbischsprachige Nachrichtenportal kossev.info. Der serbische Präsident Aleksandar Vucic versetzte im Zusammenhang mit den Spannungen am Montagabend die serbischen Streitkräfte erneut in erhöhte Alarmbereitschaft.

Das heute fast ausschließlich von Albanern bewohnte Kosovo hatte früher zu Serbien gehört und ist seit 2008 unabhängig. Serbien findet sich damit nicht ab und beansprucht das Territorium des Landes für sich. Das Gebiet um Nord-Mitrovica wird fast ausschließlich von ethnischen Serben bewohnt und grenzt direkt an Serbien. In dem Gebiet leben aber auch Albaner und Bosniaken.

Rubare: Militante Serben blockieren seit 18 Tagen Straßen in den Dörfern nördlich von Nord-Mitrovica.
Rubare: Militante Serben blockieren seit 18 Tagen Straßen in den Dörfern nördlich von Nord-Mitrovica.Imago/Stringer

Militante Serben blockieren seit 18 Tagen in den Dörfern nördlich von Nord-Mitrovica die zu den Grenzübergängen nach Serbien führenden Straßen. Mit den Barrikaden protestieren sie gegen die Verhaftung eines serbischstämmigen ehemaligen Beamten der Kosovo-Polizei, der nach Darstellung der kosovarischen Behörden Angriffe auf Beamte der Wahlkommission angeführt hatte.

Die Regierung in Belgrad unterstützt die militanten Serben im Nord-Kosovo, die sich zumeist aus kriminellen und geheimdienstlichen Milieus rekrutieren. Über diese informellen Strukturen heizt Vucic immer wieder die Spannungen im Kosovo an. In den letzten fünf Jahren hatte er die serbischen Streitkräfte sechsmal in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Dies blieb in allen Fällen folgenlos. Für die Sicherheit im gesamten Kosovo garantiert seit 1999 die natogeführte Schutztruppe KFOR.