Südamerika

„Narco-Terror-Netzwerk“: USA greifen Drogenkartell in Ecuador an

USA und Ecuador greifen das Trainingslager eines Drogenkartells nahe der Grenze zu Kolumbien an. Die Operation richtet sich gegen eine der wichtigsten Gruppen im Kokainhandel der Region.

Ecuador: Soldaten sichern einen Einsatz ab.
Ecuador: Soldaten sichern einen Einsatz ab.Cesar Munoz/AP

Die USA und Ecuador haben bei einem gemeinsamen Militäreinsatz ein Trainingslager eines Drogenkartells nahe der Grenze zu Kolumbien angegriffen. Ziel der Operation sei ein Stützpunkt der kriminellen Gruppe Comandos de la Frontera, teilten die Streitkräfte beider Länder mit. Nach Angaben des ecuadorianischen Verteidigungsministeriums setzten die Einsatzkräfte Hubschrauber, Flugzeuge, Boote und Drohnen ein, um das Lager im Nordosten des Landes aufzuspüren und zu bombardieren. Die Anlage habe Platz für etwa 50 Kämpfer geboten. Ob bei dem Angriff Menschen getötet oder festgenommen wurden, war zunächst unklar.

Die USA sprachen von „tödlichen kinetischen Operationen“. Pentagon-Sprecher Sean Parnell erklärte im Onlinedienst X, das US-Kriegsministerium habe auf Bitte Ecuadors gezielte Maßnahmen durchgeführt, um gemeinsam gegen „narco-terroristische Netzwerke“ vorzugehen.

Der Leiter des Südkommandos der US-Streitkräfte, Francis Donovan, erklärte, amerikanische Einheiten hätten die ecuadorianischen Streitkräfte bei dem Einsatz unterstützt. Die Operation sei auf Anweisung von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erfolgt.

Kartell geht auf Farc-Dissidenten zurück

Ecuadors Präsident Daniel Noboa erklärte, bei dem Angriff sei ein Trainingsgelände der Drogenmiliz zerstört worden. Ziel sei auch ein Versteck von „Mono Tole“ gewesen, einem Anführer der Gruppe Comandos de la Frontera. Die Comandos de la Frontera sind eine kriminelle Organisation aus ehemaligen Kämpfern der kolumbianischen Guerilla Farc, die nach dem Friedensabkommen von 2016 entstanden ist. Die Gruppe ist vor allem im Grenzgebiet zwischen Kolumbien und Ecuador aktiv und kontrolliert dort nach Angaben von Sicherheitsbehörden wichtige Schmuggelrouten für Kokain.

Ecuador ist in den vergangenen Jahren zu einer zentralen Drehscheibe des internationalen Drogenhandels geworden. Schätzungen zufolge werden rund 70 Prozent des in Kolumbien und Peru produzierten Kokains über Häfen des Landes in Richtung Nordamerika und Europa verschifft.

Der rechtsgerichtete Präsident Daniel Noboa hat den Kampf gegen organisierte Kriminalität zu einem zentralen Schwerpunkt seiner Regierung gemacht. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2023 hat Ecuador die Sicherheitszusammenarbeit mit den USA deutlich ausgeweitet.