WikiLeaks-Gründer Julian Assange hat an dem Filmfestival in Cannes teilgenommen. Sein Besuch sorgte nicht nur wegen seiner Anwesenheit für Aufsehen. Der 53-jährige Publizist erschien mit einem T-Shirt, auf dem die Namen von 4986 palästinensischen Kindern stehen, die seit 2023 im Zuge der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen ums Leben kamen.
Assange hatte sich das Kleidungsstück extra für das Fotoshooting vor der Premiere des Dokumentarfilms „The Six Billion Dollar Man“ anfertigen lassen, um auf die Situation der Kinder im Palästinensergebiet aufmerksam zu machen.
„The Six Billion Dollar Man“ erzählt die Geschichte von Assange - von der Gründung von WikiLeaks bis zu seiner Auslieferung und Inhaftierung. Die Zahl, die dem Film seinen Titel gibt, bezieht sich auf den vermeintlichen wirtschaftlichen Wert des Zugangs zu den von Assange veröffentlichten Informationen und ihre globalen politischen Auswirkungen. Der Film, der als internationaler Hightech-Thriller angelegt ist, nutzt den privilegierten Zugang zu WikiLeaks-Material und nie zuvor gezeigte Beweise, um die zunehmend prekäre Position von Journalisten zu untersuchen.
Assanges Auftritt in Cannes ist einer seiner ersten öffentlichen Auftritte, seit seine Auslieferung an die Vereinigten Staaten erfolgreich gestoppt wurde, und das in einem Kontext, in dem sein Bild weiterhin Anlass zu Kontroversen und politischer Polarisierung gibt.
Am Abend teilte WikiLeaks auf der Onlineplattform X mit, dass der Film noch vor der Weltpremiere in Cannes den ersten Golden Globe für Dokumentarfilme gewann.
Julian Assange's t-shirt at Cannes lists the names of 4,986 Palestinian children aged five and under, killed by Israeli forces since 2023.
— WikiLeaks (@wikileaks) May 20, 2025
[Photos by David Fisher] pic.twitter.com/On8ikXw7y8
Julian Assange nach zwölf Jahren Haft und Botschaftsasyl entlassen
Der Wikileaks-Gründer war Ende Juni vergangenen Jahres nach insgesamt zwölf Jahren Botschaftsasyl und Gefängnis in Großbritannien in sein Heimatland Australien zurückgekehrt. Der Australier hatte sich im Rahmen einer Vereinbarung mit der Justiz der Vereinigten Staaten der Verschwörung zur Weitergabe von Informationen zur nationalen Verteidigung schuldig bekannt. Er wurde deswegen formell zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und zwei Monaten verurteilt. Diese Strafe war durch seine gut fünfjährige Haftzeit im britischen Belmarsh-Gefängnis bereits verbüßt. Vor seiner Haft hatte Assange sieben Jahre lang in der ecuadorianischen Botschaft in London Asyl gefunden.
Die US-Justiz wirft Assange vor, ab 2010 rund 700.000 vertrauliche Dokumente über militärische und diplomatische US-Aktivitäten veröffentlicht zu haben. Die Papiere enthielten brisante Informationen über die Kriege im Irak und in Afghanistan, unter anderem über die Tötung von Zivilisten und die Misshandlung von Gefangenen durch US-Soldaten.


