Großbritannien

Juden in London niedergestochen: Polizei stuft Tat als Terror ein

Im Norden Londons verletzt ein Mann zwei Juden mit einem Messer. Die Polizei spricht von einem terroristischen Anschlag und prüft, ob die jüdische Gemeinschaft gezielt angegriffen wurde.

Presse und Polizei an einer polizeilichen Absperrung im Londoner Stadtteil Golders Green, nachdem zwei Personen niedergestochen wurden und ein Verdächtiger festgenommen worden ist.
Presse und Polizei an einer polizeilichen Absperrung im Londoner Stadtteil Golders Green, nachdem zwei Personen niedergestochen wurden und ein Verdächtiger festgenommen worden ist.Justin Tallis/AFP

Bei einem Messerangriff im nördlichen Londoner Stadtteil Golders Green sind am Mittwoch zwei jüdische Männer verletzt worden. Die beiden Opfer im Alter von rund 30 und 70 Jahren befänden sich in stabilem Zustand, teilte die Londoner Metropolitan Police mit. Der 45-jährige Tatverdächtige habe nach Polizeiangaben auch versucht, Beamte mit dem Messer anzugreifen. Er sei mit einem Taser überwältigt und wegen versuchten Mordes festgenommen worden.

Der Leiter der britischen Anti-Terror-Polizei, Laurence Taylor, erklärte laut BBC, der Vorfall sei förmlich als terroristischer Anschlag eingestuft worden. Eine der Ermittlungslinien sei, ob der Angriff sich gezielt gegen die jüdische Gemeinschaft in London gerichtet habe. Die Polizei arbeite mit den Sicherheitsdiensten zusammen und versuche, Nationalität und Hintergrund des Verdächtigen zu klären.

Nach Angaben der jüdischen Sicherheitsorganisation Shomrim wurde der Angreifer festgenommen, „als er versuchte, jüdische Menschen niederzustechen“. Die Verletzten seien vom jüdischen Rettungsdienst Hatzola versorgt worden.

Israels Außenminister richtet Forderung an britische Regierung

Premierminister Keir Starmer verurteilte die Tat auf der Plattform X. „Angriffe auf unsere jüdische Gemeinschaft sind Angriffe auf Großbritannien", schrieb er. Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen. Londons Bürgermeister Sadiq Khan sprach von einer Serie antisemitischer Angriffe in der Hauptstadt. Für Antisemitismus dürfe es in der Gesellschaft keinen Raum geben.

Das israelische Außenministerium forderte die britische Regierung auf, „entschieden und dringend“ gegen den sich ausbreitenden Antisemitismus vorzugehen. Nach mehreren Angriffen auf Synagogen und jüdische Einrichtungen könne die Regierung „nicht länger behaupten, sie habe die Lage im Griff“.

Viele Taten von Gruppe Hayi begangen

Seit Beginn des Iran-Krieges durch Angriffe der USA und Israels Ende Februar gab es in London nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP eine Reihe von Brandanschlägen auf Synagogen und jüdische oder israelische Einrichtungen. 26 Verdächtige wurden demnach bislang festgenommen. Viele der Taten reklamierte die zuvor weitgehend unbekannte Gruppe Harakat Aschab al-Jamin al-Islamija (Hayi) für sich, die Verbindungen in den Iran haben soll.

Der deutsche Verfassungsschutz hatte am Montag vor der Gruppe gewarnt. Hinter Hayi werde ein irakisch-schiitisches Netzwerk vermutet. Der Terrorismusexperte Peter Neumann vom Londoner King's College verwies laut AFP auf mögliche Auftraggeber aus dem Iran. Die iranischen Revolutionsgarden propagierten „in Europa seit einiger Zeit schon diese Art von Anschlägen“.