Nahostkonflikt

Israels Armee stoppt Gaza-Hilfsflotte: Aktivisten melden 15 geenterte Schiffe

Die israelische Marine hat nach eigenen Angaben mehrere Schiffe einer internationalen Hilfsflottille gestoppt. Unter den Teilnehmern ist auch die schwedische Aktivistin Greta Thunberg.

Szenen von Bordkameras auf Schiffen der Gaza-Hilfsflotte
Szenen von Bordkameras auf Schiffen der Gaza-Hilfsflotteimago

Die israelische Marine hat nach eigenen Angaben mehrere Schiffe der Gaza-Hilfsflottille gestoppt. Das Außenministerium in Jerusalem erklärte am Mittwochabend, die Passagiere würden in einen israelischen Hafen gebracht. In einem Beitrag auf der Plattform X veröffentlichte das Ministerium zudem ein Video, das Greta Thunberg zusammen mit bewaffneten und maskierten Soldaten zeigt. Die schwedische Klimaaktivistin sei „sicher und gesund“, hieß es.

Nach Angaben der Organisatoren der Hilfsflotte wurden mehrere Schiffe von Soldaten geentert. In der Nacht hieß es schließlich von Seiten der Global Sumud Flotilla, dass 30 ihrer Schiffe weiterhin in Richtung Gaza unterwegs seien. Später gaben die Organisatoren auf X an, 15 Schiffe seien von der israelischen Marine gestoppt worden, acht weitere seien in Begriff geentert zu werden.

Die rund 47 Schiffe umfassende „Global Sumud Flotilla“ war in Barcelona gestartet und transportiert nach Angaben der Organisatoren Hilfsgüter für die Bevölkerung in Gaza. Mehr als 500 Aktivistinnen und Aktivisten aus verschiedenen Ländern beteiligen sich, darunter auch bekannte Persönlichkeiten. Israel wirft einigen Teilnehmern vor, Verbindungen zur Hamas zu haben. Die Gruppe hatte sich nach eigenen Angaben auf 70 bis 80 Seemeilen dem Gazastreifen genähert.

Livestreams von Bord der betroffenen Schiffe brachen abrupt ab, einige Aktivisten warfen nach eigenen Angaben ihre Telefone ins Meer, als israelische Soldaten an Bord kamen. Das berichtete unter anderem die Zeitung The Times of Israel. Live übertragene Bilder von Kameras an Bord einiger Boote zeigten Aktivisten in Schwimmwesten, die offenbar auf ein Entern ihrer Boote durch israelische Marinesoldaten warteten.

Demonstranten in Rom beobachten die Live-Berichterstattung über den Einsatz israelischer Schiffe auf den Schiffen der „Global Sumud Flotilla“.
Demonstranten in Rom beobachten die Live-Berichterstattung über den Einsatz israelischer Schiffe auf den Schiffen der „Global Sumud Flotilla“.imago

Gaza-Hilfsflotte gestoppt: Israel wirft Aktivisten „Provokation“ vor

Das israelische Außenministerium teilte auf X mit, die israelische Kriegsmarine habe die Flottille aufgefordert, ihren Kurs zu ändern. Ihre Hilfslieferungen könnten sie in Häfen außerhalb des Gazastreifens an Land bringen, sie würden in das palästinensische Küstengebiet weitertransportiert. Die Besatzungen seien informiert worden, dass sie sich einer aktiven Kampfzone näherten. „Die Flottille hat (das Angebot) abgelehnt, weil sie nicht an Hilfeleistung interessiert ist, sondern an Provokation“, hieß es in der Stellungnahme des Außenministeriums weiter.

Der Sprecher der Flotte, Thiago Ávila, begründete die Ablehnung des Angebots, die Hilfslieferungen über Israel ausliefern zu lassen, damit, dass die humanitäre Hilfe nicht der Besatzungsmacht im Gazastreifen überlassen werden dürfe. Die Palästinenser im Gazastreifen hätten das Recht, ihre eigenen Grenzen zu kontrollieren. „Deshalb anerkennen wir euch nicht als legitimen Akteur, um humanitäre Hilfe zum palästinensischen Volk im Gazastreifen zu bringen“, teilte er an Israel gerichtet über X mit. Die Seeblockade, die Israel vor dem Küstengebiet aufrechterhält, bezeichnete er als „völkerrechtswidrig“.

Israels UN-Botschafter Danny Danon erklärte ebenfalls auf X: „Das ist kein Hilfskonvoi, sondern eine PR-Aktion. Wir werden keinen Versuch zulassen, in ein aktives Kriegsgebiet einzudringen und unsere Souveränität zu verletzen.“

Frankreich forderte Israel auf, für die Sicherheit der Teilnehmer zu sorgen und konsularischen Schutz zu gewähren. Italiens Außenminister Antonio Tajani erklärte im Fernsehen, sein Amtskollege Gideon Sa’ar habe ihm zugesichert, dass keine Gewalt gegen die Aktivisten angewendet werde. Italienische Staatsbürger würden demnach nach Aschdod gebracht und von dort ausgewiesen.

Abfang der Flottille löst Proteste und Streikaufrufe in Italien aus

In Italien führten erste Berichte über den Abfang der Schiffe zu Protesten: Gewerkschaften riefen für Freitag zu einem landesweiten Streik in Solidarität mit der Flottille auf. In Städten wie Neapel und Rom kam es am Abend zu spontanen Demonstrationen.

Die Organisatoren der Flottille bezeichneten den Einsatz als „illegalen Angriff auf unbewaffnete Humanitäre“ und riefen internationale Institutionen dazu auf, ihre sofortige Freilassung zu fordern.