Die Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport hat am Montag erstmals einen Islamismus-Monitor veröffentlicht, der die Entwicklungen des islamistischen Extremismus in den Jahren 2024 und 2025 abbildet. Das zentrale Ergebnis: Die terroristische Bedrohungslage bleibt abstrakt hoch, die Szene verlagert sich ins Internet – und erreicht dort gezielt Kinder und Jugendliche.
Die Zahl der polizeilich erfassten Fälle politisch motivierter Kriminalität mit religiöser Ideologie hat sich von 210 im Jahr 2023 auf 477 im Jahr 2024 mehr als verdoppelt und stieg 2025 weiter auf 532 Fälle. Die Gewaltdelikte sanken dagegen im vergangenen Jahr auf 16 Fälle.
Online-Radikalisierung junger Menschen nimmt zu
Besonders drastisch fällt der Zuwachs bei Propagandadelikten aus: 2024 ein Plus von über 250 Prozent, 2025 nochmals 105,5 Prozent. Terrorismusdelikte stiegen von neun auf 21 Fälle. Die Senatsverwaltung erklärt den Anstieg teils mit verstärkter polizeilicher Internetbeobachtung und erwartet eine weitere Zunahme der Fälle.
Demnach verbreiten Prediger salafistische Inhalte über TikTok, Instagram und YouTube, teilweise mit erheblicher Reichweite. Auch Terrororganisationen nutzen das Internet zur Rekrutierung. Ein wachsendes Problem ist das massenhafte Teilen jihadistischer Kampfgesänge durch Jugendliche. Der Monitor warnt, dass künstliche Intelligenz bei der Propagandaerstellung, Deepfakes und die Instrumentalisierung des Nahostkonflikts die Lage weiter verschärfen könnten.
Anhänger von IS und Hamas sorgen für Gefahr
Im Dokument enthalten sind zwei Verurteilungen mit IS-Bezug in der jüngeren Vergangenheit, eine wegen eines Messerangriffs am Holocaust-Denkmal im Februar 2025. Zusätzliche Unsicherheit schafft der Sturz des Assad-Regimes: IS-Anhänger mit deutscher Staatsangehörigkeit befinden sich in syrischem oder irakischem Gewahrsam, eine Rückreise nach Deutschland sei nicht auszuschließen.
Auch Hamas-Anhänger setzten trotz Betätigungsverbots ihre Aktivitäten fort. Im Oktober 2025 wurden in Berlin drei mutmaßliche Hamas-Operateure festgenommen, die Anschläge auf jüdische Einrichtungen geplant haben sollen. Bei Durchsuchungen fanden Ermittler Langwaffen, Pistolen und große Mengen Munition.
Die Behörden verboten mehrere islamistische Organisationen, darunter das Islamische Zentrum Berlin und den Verein Muslim Interaktiv. Bei Durchsuchungen im Umfeld der Gruppe Generation Islam sowie bei den Predigern Abul Baraa und Amir al-Kinani wurden Beweismittel, Waffen und Bargeld sichergestellt. Seit 2024 wurden drei islamistische Gefährder aus Berlin abgeschoben.


