Shanghai-Organisation

Iran wirbt bei SCO-Staaten mit Kampferfahrung und bietet Rüstungskooperation an

Nach der Konfrontation mit den USA und Israel sucht Teheran engere militärische Kontakte in der eurasischen Organisation. Iran ist seit 2023 Vollmitglied.

Iranische Raketen in einem Kriegsmuseum in Teheran
Iranische Raketen in einem Kriegsmuseum in TeheranMorteza Nikoubazl/imago

Iran hat den Mitgliedstaaten der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) eine engere militärische Kooperation angeboten. Das sagte Vizeverteidigungsminister Reza Talaei-Nik nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Mehr am Dienstag in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek, wo die Verteidigungsminister der Organisation zusammenkamen. Teheran sei bereit, seine Fähigkeiten und Erfahrungen bei Verteidigungswaffen mit „unabhängigen Staaten, insbesondere den Mitgliedern der SCO“ zu teilen.

Bezug auf Krieg mit USA und Israel

Talaei-Nik bezog sich dabei ausdrücklich auf den Krieg zwischen Iran auf der einen sowie den USA und Israel auf der anderen Seite. Von Ende Februar bis Anfang April hatte Iran Drohnen und Raketen gegen US-Stützpunkte in der Region und gegen israelische Ziele eingesetzt. „Wir sind bereit, die Erfahrungen der Niederlage Amerikas mit anderen Mitgliedern der Organisation zu teilen“, sagte der Vizeminister laut Reuters. Eine Anfang April verkündete Waffenruhe gilt weiter, Verhandlungen über eine dauerhafte Lösung kommen aber nicht voran.

Am Rand des Treffens führte Talaei-Nik nach Angaben von Mehr auch Gespräche mit den Verteidigungsministern Russlands, von Belarus, Pakistans und Kirgisistans. Moskau und Minsk hätten dabei ihre Bereitschaft bekräftigt, die Zusammenarbeit mit Teheran fortzusetzen.

Gastgeber des Treffens im Regierungssitz Ala-Artscha war Kirgisistans Verteidigungsminister Ruslan Mukambetow. Der kirgisische Präsident Sadyr Dschaparow empfing die Delegationen vorab und sprach sich laut dem englischsprachigen Regionalportal The Times of Central Asia für häufigere gemeinsame Militärübungen und einen engeren Austausch innerhalb der SCO aus.

Kein Bündnis, aber ein Machtforum

Die Shanghaier Organisation umfasst neben Iran unter anderem China, Russland, Indien, Pakistan, Belarus sowie die zentralasiatischen Staaten Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan. Der Iran ist seit 2023 Vollmitglied. Gegründet wurde die SCO 2001 von China, Russland, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan. Sie ging aus der sogenannten Shanghaier Fünfergruppe zur regionalen Sicherheitsabstimmung hervor.

Die SCO ist kein Militärbündnis und kein supranationaler Staatenbund, sondern eine zwischenstaatliche Organisation für Sicherheits-, Wirtschafts- und Außenpolitik. Sie befasst sich mit regionaler Stabilität, Terrorismusbekämpfung, Energie, Verkehr, Handel und politischer Koordination in Eurasien. Ihr Gewicht ergibt sich vor allem aus der Mitgliedschaft Chinas, Russlands, Indiens, Pakistans und des Irans sowie aus der Verbindung Zentralasiens mit mehreren Machtzentren.

Ihr Handlungsspielraum bleibt zugleich begrenzt: Die Mitgliedstaaten verfolgen teils gegensätzliche Interessen, etwa Indien und Pakistan oder China und Indien, und gemeinsame Beschlüsse beruhen auf staatlicher Abstimmung statt auf übergeordneten Institutionen.