Bildung

Immer weniger ausgebildete Lehrer: Hauptstadt setzt auf Quereinsteiger

Nur wenige neue Lehrkräfte in Berlin sind ausgebildet. Der Rest kommt von Quereinstieg, Studium oder aus dem Ruhestand.

Berlin muss auf immer mehr Quereinsteiger im Lehrerberuf setzen.
Berlin muss auf immer mehr Quereinsteiger im Lehrerberuf setzen.Julian Stratenschulte/dpa

Berlin steuert mit Mühe in das neue Schuljahr und zwar mit deutlich zu wenigen ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern. Aus einer Antwort der Bildungsverwaltung auf eine Anfrage der Linken geht hervor, dass bis Anfang August nur rund 17 Prozent der neu eingestellten Kräfte ein abgeschlossenes Lehramtsstudium vorweisen konnten. Von 952 Bewerbungen voll ausgebildeter Lehrkräfte nahmen knapp 700 das Angebot an. Im Vorjahr waren es noch über 1.000. Der Gesamtbedarf ist jedoch weitaus höher. Laut Senatsverwaltung müssen mehr als 4.100 sogenannte Vollzeiteinheiten besetzt werden.

Von den fehlenden Stellen wird ein erheblicher Teil durch andere Gruppen abgedeckt. Fast 2.000 Lehramtsstudierende erhielten für das kommende Schuljahr einen befristeten Arbeitsvertrag, knapp 300 pensionierte Lehrkräfte wurden reaktiviert. Hinzu kommen 184 Quereinsteiger, die bereits ein Studium absolviert haben und nun parallel zur Tätigkeit für den Schuldienst qualifiziert werden. Trotz hoher Bewerberzahl konnte jedoch nur etwa jeder Dritte eingestellt werden – auch wenn die Voraussetzungen erfüllt waren.

Studierende und Pensionäre füllen Lücken

Die Linke schlägt Alarm. Bildungsexpertin Franziska Brychcy spricht von einem „dramatischen Personalmangel“, der sich unmittelbar auf die Qualität des Unterrichts auswirke. Sie wirft der schwarz-roten Koalition vor, im neuen Haushalt an Hochschulen und Lehrkräftebildung zu sparen. Ihren Berechnungen zufolge fehlen rund 1.500 Vollzeitkräfte. Zudem verschleiere die Bildungsverwaltung den Mangel, indem Referendare mehr Stunden übernehmen oder Stellen rechnerisch umgewidmet werden.

Die Verwaltung weist die Kritik zurück. Das Einstellungsverfahren sei noch nicht abgeschlossen, belastbare Zahlen werde es erst im Verlauf des Schuljahres geben. Klar ist jedoch: Berlin wird auch diesmal ohne massive Unterstützung von Quereinsteiger, Studierenden und Pensionären nicht auskommen – mit ungewissen Folgen für die Bildungsqualität.