Internet

Google sucht künftig mit Künstlicher Intelligenz: Das ändert sich

„Wir erledigen das Googeln für sie“: Google richtet seine Websuche mithilfe von KI neu aus. Das ist geplant.

Bei Google lassen sich bald mehrere verwandte Suchanfragen auf einmal stellen. 
Bei Google lassen sich bald mehrere verwandte Suchanfragen auf einmal stellen. Andrej Sokolow/dpa

Google führt bei seiner Internetsuchmaschine KI-Funktionen ein. Wie Google am Dienstag mitteilte, erstellt bald eine Künstliche Intelligenz Überblicke zu den Suchtreffern. Zunächst stellt Google die Suchmaschine in den USA um, danach folgen weitere Länder. Es ist offen, welchen Einfluss die Umstellung auf Firmen haben wird, deren Geschäftsmodell davon abhängt, dass Nutzer via Google auf ihre Webseiten klicken. Außerdem ist unklar, wie Google dann Werbung aus dem Umfeld der Internetsuche, steuern will. 

„Wir erledigen das Googeln für sie“, laute die neue Devise bei der Websuche, sagte die zuständige Topmanagerin Liz Reid auf der Entwicklerkonferenz Google I/O. So könne man nun in einer Suchanfrage mehrere Fragen stellen – also nicht etwa nur, wo sich Pilates-Studios in Boston befänden, sondern auch, wie man dort hinkommt und ein Zeitfenster bucht.

Liz Reid, Suchmaschinen-Chefin bei Google, stellt die KI-Pläne des Internetriesen auf der Entwicklerkonferenz Google I/O vor.
Liz Reid, Suchmaschinen-Chefin bei Google, stellt die KI-Pläne des Internetriesen auf der Entwicklerkonferenz Google I/O vor.Jeff Chiu/AP

Google ergreift die Initiative, um Konkurrenz auszustechen

Mit Chatbots und anderen KI-Anwendungen wird es einfacher, Fragen direkt zu beantworten, statt nur eine Ansammlung von Weblinks anzuzeigen. Google will bei KI-Assistenten der Zukunft nicht Herausforderern wie dem ChatGPT-Erfinder OpenAI das Feld überlassen.

OpenAI hatte am Vortag für Schlagzeilen gesorgt mit der Live-Demonstration einer Version von ChatGPT, die sich fließend mit Nutzern unterhalten und dabei auch visuelle Informationen von der Smartphone-Kamera berücksichtigen kann. So leitete der Chatbot zum Beispiel an, wie eine Mathe-Gleichung zu lösen ist, die ein OpenAI-Mitarbeiter auf einem Blatt Papier aufschrieb. Auch konnte ChatGPT die Laune anhand des Gesichtsausdrucks interpretieren.

Google demonstrierte ähnlich übergreifende Fähigkeiten einer neuen KI-Software mit dem Namen „Project Astra“ – allerdings nicht live auf der Bühne, sondern in einem zuvor gedrehten Video. Das Unternehmen setzt im Wettbewerb mit dem Chatbot ChatGPT und anderer Software mit Künstlicher Intelligenz auf das hauseigene KI-Modell Gemini. Einige Funktionen, die man in der Astra-Demonstration zu sehen bekam, sollen bald auch zu Gemini kommen, wie Google-Manager Koray Kavukcuoglu ankündigte.

Neue Google-Funktion: Gegenstand auf Bild einkreisen und suchen

Google versucht zugleich, die Sorgen von Webseitenbetreibern zu zerstreuen, dass die KI-Überblicke den Datenverkehr zu ihnen versiegen lassen könnten. In bisherigen Probeläufen habe sich gezeigt, dass in den „AI Overviews“ vielfältigere Links als sonst vorkämen – und Nutzer sich auch dorthin durchklickten, sagte Google-Managerin Hema Budaraju.

Schon zuvor hatte Google eine Funktion eingeführt, bei der es für eine Internetsuche schon genügt, ein Objekt auf einem Foto oder Worte auf dem Smartphone-Display einzukreisen. Auf der Google I/O wurde auch demonstriert, dass es reicht, ein kurzes Video von einem defekten Plattenspieler zu machen, um eine Anleitung zu bekommen, wie sich das Problem bei diesem Modell beheben lässt. „Google-Suche ist generative KI in der Dimension der menschlichen Neugierde“, sagte Konzernchef Sundar Pichai.

Die neue KI-gestützte Suche wird zunächst in den USA auf Englisch eingeführt. Sie soll aber „in absehbarer Zeit“ nach Europa und Deutschland kommen.

Google will „Kontext-Fenster“ erweitern

Google arbeitet zudem unter anderem daran, das sogenannte „Kontext-Fenster“ zu erweitern – also die Menge an Informationen, die ein KI-Modell gleichzeitig auswerten kann. Aktuell könne die KI-Software in der Abo-Version ein bis zu 1500 Seiten langes PDF-Dokument oder ein einstündiges Video auf einmal erfassen und Fragen dazu beantworten. Kein anderer Chatbot sei dazu in der Lage, betonte Google-Managerin Sissie Hsiao. Zum Jahresende wolle man die Werte verdoppeln.

Google setzt auch auf „KI-Agenten“ – Assistenten, die eigenständig Aufgaben mit mehreren Schritten erfüllen können. Sie könnten sich etwa komplett um Retouren kümmern oder bei einem Umzug die nötigen Ummeldungen erledigen und nützliche Adressen in der neuen Nachbarschaft heraussuchen.

Pichai demonstrierte unter anderem, wie die Software jetzt aus der Sammlung persönlicher Fotos auf Wunsch alle Bilder heraussuchen kann, bei denen es zum Beispiel um die Schwimmfortschritte eines Kindes geht.

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