Altersvorsorge

Gesetzliche Rente nur noch als „Basisabsicherung“? Wirtschaftsweise stimmt Merz zu

Monika Schnitzer bestätigt die Aussagen des Bundeskanzlers zu Rente. Diese hatten zuletzt für massive Kritik gesorgt.

Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats, stimmt dem Bundeskanzler zu.
Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats, stimmt dem Bundeskanzler zu.Britta Pedersen/dpa

Die Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Monika Schnitzer, hat die Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zur künftigen Rolle der gesetzlichen Rente bestätigt. Gegenüber der Rheinischen Post erklärte die Münchner Ökonomin, Merz' Äußerung sei „als Hinweis auf den wachsenden Reformdruck im Rentensystem“ zu lesen. Die private Altersvorsorge müsse „einen deutlich größeren Stellenwert bekommen, um die gesetzliche Rente wirksam zu ergänzen“.

Merz hatte am Montag beim Empfang zum 75. Jubiläum des Bundesverbands deutscher Banken gesagt, die gesetzliche Rentenversicherung werde „allenfalls noch die Basisabsicherung“ im Alter sein und nicht mehr ausreichen, um den Lebensstandard zu sichern. Der Kanzler verlangte einen stärkeren Ausbau kapitalgedeckter betrieblicher und privater Vorsorgeelemente.

Schnitzer kritisierte in diesem Zusammenhang die bisherigen Instrumente der privaten Vorsorge. Mit der Riester-Rente sei „in den vergangenen Jahrzehnten durch ineffiziente Instrumente viel Zeit und Rendite verloren gegangen“.

Wirtschaftsweise: Gesetzliche Rente braucht Reformen

Den demografischen Druck auf das umlagefinanzierte System beschrieb die Wirtschaftsweise mit konkreten Zahlen: Mit dem Renteneintritt der Babyboomer stiegen die Ausgaben deutlich, während die Zahl der Erwerbstätigen sinke. In den kommenden 15 Jahren würden dem Arbeitsmarkt allein aus Altersgründen rund sieben Millionen Arbeitskräfte verloren gehen. „Um das umlagefinanzierte System stabil zu halten, wird es ohne Belastungen für verschiedene Gruppen nicht gehen“, warnte Schnitzer.

Auch im gesetzlichen System sieht Schnitzer Reformbedarf. Ein „zentraler Ansatz“ sei eine moderate Verlängerung der Lebensarbeitszeit „durch eine transparente Kopplung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung“. Zudem sollten Anreize zur Frühverrentung reduziert werden. Für einen freiwillig vorgezogenen Renteneintritt seien „versicherungsmathematisch korrekte Abschläge konsequent“. Derzeit beträgt der Abschlag 3,6 Prozent pro Jahr des vorzeitigen Rentenbeginns.

Darüber hinaus plädierte Schnitzer für eine Dämpfung der Rentenanstiege, etwa durch eine stärkere Orientierung an der Inflation statt an der Lohnentwicklung.

Die Aussagen fallen in eine Phase, in der eine von der Bundesregierung eingesetzte 13-köpfige Rentenkommission an Reformvorschlägen arbeitet. Das Gremium soll seine Empfehlungen im Sommer vorlegen, mit dem Ziel, das Alterssicherungssystem langfristig finanziell zu stabilisieren.