Der Weihnachtsbaum gehört für die meisten Menschen untrennbar zum Weihnachtsfest dazu. Doch die Suche nach dem Ursprung des Weihnachtsbaums führt nicht etwa zur biblischen Weihnachtsgeschichte, sondern zu heidnischen Bräuchen und einer christlichen Neuinterpretation im Mittelalter.
Zwei Traditionslinien vereinigen sich
Die Germanen huldigten ihren Göttern, in dem sie Opfergaben wie Waffen, Tierkadaver aber auch Nahrung in heilige Bäume hängten. Religiöser Höhepunkt war die Wintersonnenwende.
Das Christentum lehnte solche Opfergaben ursprünglich ab. Aber um biblische Geschichten anschaulicher darzustellen, wurden in den mittelalterlichen Kirchen im Dezember Paradiesbäume aufgestellt. Dieser immergrüne Baum mit roten Äpfeln symbolisierte den Baum der Erkenntnis im Paradies. Er kann als Vorläufer des späteren Weihnachtsbaums gelten.
Am Ende des Mittelalters verschmelzen beide Traditionen zusehends. Aus dem Christentum wurde der Brauch des separaten Baums als Zentrum des Festes übernommen. Aus dem Heidentum stammt die Verwendung von Tannenbäumen, die auch besser verfügbar waren als Paradiesbäume, sowie die Verzierung mit Süßigkeiten und anderen schönen Dingen.
Erster Nachweis im 16. Jahrhundert
Die ersten Belege für Weihnachtsbäume in Deutschland stammen aus dem Jahr 1570. In Bremer Zunfthäusern stellte man kleine Tannenbäume auf, die mit Äpfeln, Nüssen und Datteln behängt waren. Im 17. Jahrhundert hielt der Weihnachtsbaum dann Einzug in bürgerliche Wohnstuben. Dann ist auch zunehmend die Verwendung von dünnen Metallstreifen nachweisbar – Vorläufer des heutigen Lametta.
Ab 1730 kamen allmählich Kerzen als Baumschmuck dazu. Der Lichterbaum entwickelte sich zum Mittelpunkt des Heiligabends und Sinnbild des Weihnachtsfestes. Im 19. Jahrhundert trugen verwandtschaftliche Verbindungen des Adels und deutsche Auswanderer den Brauch in viele Länder Europas und nach Übersee.
Allgemeine Verbreitung durch den Krieg
Zum Festsymbol für die breite Bevölkerung wurde der Weihnachtsbaum aber erst nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Aufgestellte Tannenbäume in Lazaretten und Quartieren sollten den Soldaten Heimatgefühle vermitteln. Die Kriegsheimkehrer machten den Brauch dann in ganz Deutschland populär.


