Die Europäische Kommission hat am Montag den Rohstoff-Mechanismus der EU-Plattform für Energie und Rohstoffe gestartet. Käufer kritischer Rohstoffe können über das System ihre Nachfrage bündeln und Kontakt zu Lieferanten, Finanzinstituten sowie Lageranbietern aufnehmen, teilte die Kommission mit.
Die erste Runde konzentriert sich laut einem EU-Sprecher auf sofort oder bald verfügbare seltene Erden sowie auf Batterie- und Rüstungsrohstoffe. Unternehmen können sich bis Ende April registrieren. Ergebnisse sollen im September vorliegen.
Die Plattform verbindet Käufer und Verkäufer, überlässt die konkreten Vertragsverhandlungen aber den beiden Seiten. Auch kleineren Unternehmen soll sie laut Kommission ermöglichen, Partnerschaften jenseits bestehender Netzwerke aufzubauen.
Strategie gegen Chinas Marktmacht
Die Plattform ist Teil der im Dezember 2025 vorgestellten ReSourceEU-Strategie. China kontrolliert laut Reuters bis zu 90 Prozent der Produktion bei seltenen Erden. Brüssel will erreichen, dass kein einzelnes Land mehr als 65 Prozent des europäischen Bedarfs an einem strategischen Rohstoff deckt.
Im vergangenen Jahr beauftragte die EU die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und ein slowakisches Softwareunternehmen mit der Entwicklung der neun Millionen Euro teuren Plattform. Diese umfasst getrennte Bereiche für strategische Rohstoffe, Wasserstoff und Energieprodukte wie Erdgas. Der Wasserstoff-Teil startete bereits im November und meldete am 1. April erste Ergebnisse mit 273 Vermittlungen zwischen Käufern und Verkäufern.
Ambitionierte Ziele bis 2030
Die Plattform soll die Umsetzung des 2024 verabschiedeten EU-Gesetzes für kritische Rohstoffe (Critical Raw Materials Act) beschleunigen. Darin hat die EU Ziele bis 2030 festgelegt: Zehn Prozent des Jahresbedarfs sollen in Europa gefördert, 25 Prozent recycelt und 40 Prozent innerhalb der EU verarbeitet werden.
Für die ReSourceEU-Strategie will Brüssel drei Milliarden Euro mobilisieren. Davon stellt die Europäische Investitionsbank zwei Milliarden Euro jährlich in Form von Krediten und Beteiligungskapital bereit. EU-Industriekommissar Stéphane Séjourné hatte bei der Vorstellung der Strategie im Dezember 2025 angekündigt, europäische Unternehmen notfalls per Gesetz zur Diversifizierung ihrer Bezugsquellen zu zwingen. „Das ist ein Weckruf, ein starker Weckruf“, sagte Séjourné laut dem Guardian.


