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Models aus dem Südsudan dominieren die Laufstege der Welt – doch viele scheitern am Visum

Der Südsudan gilt in der Modewelt als Talentschmiede für außergewöhnliche Models. Doch viele junge Frauen und Männer aus dem Land schaffen es trotz Verträgen nicht zu den großen Shows.

Das südsudanesisch-britische Model Alek Wek bei der New York Fashion Week. Sie wurde in den 1990er Jahren in London entdeckt und gilt als Vorbild für viele Models aus dem Südsudan.
Das südsudanesisch-britische Model Alek Wek bei der New York Fashion Week. Sie wurde in den 1990er Jahren in London entdeckt und gilt als Vorbild für viele Models aus dem Südsudan.Bestimage/imago

Auf dem Dach eines Hauses in Juba klacken hohe Absätze über brüchige Pflastersteine. Junge Frauen und Männer üben ihre Laufstegschritte. Viele von ihnen träumen davon, den Südsudan zu verlassen und Karriere in der internationalen Modewelt zu machen.

Tatsächlich gilt das ostafrikanische Land inzwischen als eine der wichtigsten Talentschmieden der Branche. Neun der derzeit 50 meistgebuchten Models auf der Plattform Models.com stammen aus dem Südsudan. „Paris, Mailand, London – die Modebranche wird im Moment von südsudanesischen Jungs und Mädchen dominiert“, sagte Doris Sukeji, Gründerin der Modelagentur Jubalicious in der Hauptstadt Juba, der Nachrichtenagentur AFP.

Ein entscheidender Faktor sei das Aussehen vieler Models aus dem Land. „Meist ist es die Hautfarbe. Viele Agenturen suchen sehr dunkelhäutige Models“, erklärte Sukeji.

Modeltrainer Aguin Akech Aguin (24, rechts) gibt Models der Agentur Jubalicious während eines Trainings auf dem Dach des Agenturbüros in Juba Anweisungen.
Modeltrainer Aguin Akech Aguin (24, rechts) gibt Models der Agentur Jubalicious während eines Trainings auf dem Dach des Agenturbüros in Juba Anweisungen.LUIS TATO/AFP

Den Weg ebnete in den 1990er Jahren das Model Alek Wek. Sie wurde in London entdeckt, nachdem ihre Familie vor einem früheren Krieg geflohen war. Ihr Erfolg machte sie für viele junge Menschen aus dem Südsudan zum Vorbild.

Visa als größte Hürde

Erfolgreiche Models können in einer Saison mehrere zehntausend US-Dollar verdienen – eine Summe, die im Südsudan für viele Familien lebensverändernd wäre. Nach Angaben der Vereinten Nationen leben dort rund 92 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze.

Doch Visa sind ein großes Problem. Sukeji berichtete AFP, dass in den vergangenen Monaten sieben Models ihrer Agentur trotz Arbeitsverträgen keine Einreisegenehmigung erhalten hätten. „Man ist einfach am Boden zerstört“, sagte sie.

Auch der 24-jährige Bichar Hoah bekam kürzlich eine Absage für ein europäisches Visum. Hoah wuchs im Kakuma-Flüchtlingslager im benachbarten Kenia auf. „Manche Leute sagen uns, sie hätten es versucht und seien gescheitert“, sagte er AFP. Trotzdem wolle er es weiter probieren. Sein Ziel sei es, „den Südsudan als Model zu repräsentieren“.

Das südsudanesische Model Nyaduola Gabriel präsentiert bei der Pariser Modewoche eine Kreation von Lacoste für die Damenkollektion Herbst/Winter 2026/2027.
Das südsudanesische Model Nyaduola Gabriel präsentiert bei der Pariser Modewoche eine Kreation von Lacoste für die Damenkollektion Herbst/Winter 2026/2027.ALAIN JOCARD/AFP

Vorbehalte im eigenen Land

Selbst wenn der Weg ins Ausland gelingt, bleiben Herausforderungen. Die Modebranche ist bekannt für ihren schnellen Wechsel an neuen Gesichtern. Hinzu kommen kulturelle Vorbehalte im Südsudan selbst. Manche Familien betrachten das Modeln skeptisch und vermuten dahinter Prostitution, berichtete Agenturchefin Sukeji. Sie versuche deshalb, Eltern zu überzeugen und junge Talente kostenlos auszubilden. Das Training dauert bis zu drei Monate. Erst wenn ein Model tatsächlich Arbeit bekommt, erhält die Agentur zehn Prozent der Gage.

Trotz aller Hindernisse halten viele an ihrem Traum fest. Zu den erfolgreichen Vorbildern gehört auch Anyier Anei. Sie arbeitet international als Model und spielte kürzlich im französischen Film „Coutures“ mit. In einem Interview mit Harper’s Bazaar sagte Anei: „Scheitern ist weniger beängstigend, als Träume zu haben, die man nie versucht zu verwirklichen. Selbst mit Angst muss man dieses Risiko eingehen.“

Für die jungen Menschen auf dem Dach in Juba geht es um mehr als Mode. Viele hoffen, dass ihre Karriere eine Tür zu einem anderen Leben öffnet – fern von Armut und den Konflikten, die ihr Land seit der Unabhängigkeit 2011 prägen. „Eines Tages wird sich der Südsudan wirklich verändern“, sagte Agou.

Südsudan: Das jüngste Land der Erde

Der Südsudan ist der jüngste Staat der Welt. Das Land wurde 2011 nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg vom Sudan unabhängig. Seitdem ist der Staat immer wieder von Gewalt, politischer Instabilität und wirtschaftlichen Krisen geprägt. Präsident Salva Kiir und sein früherer Rivale Riek Machar ringen seit Jahren um Macht. Nach dem Bürgerkrieg übernahm Machar im Rahmen eines Friedensabkommens 2018 erneut das Amt des Vizepräsidenten. Die Vereinbarung gilt jedoch als fragil: Machar steht seit 2025 unter Hausarrest und bewaffnete Gruppen kämpfen in mehreren Regionen wieder gegeneinander.

Millionen Menschen wurden vertrieben, große Teile der Bevölkerung leben in Armut. Für viele junge Menschen gilt eine Karriere im Ausland deshalb als seltene Chance auf ein anderes Leben.