Jugendämter

Fälle von Kindeswohlgefährdung steigen weiter an – Mehrheit geht von Eltern aus

Erneut ist die Zahl der Fälle von Kindeswohlgefährdung auf einen Höchstwert gestiegen. Die meisten betroffenen Kinder waren jünger als neun Jahre.

Die meisten Fälle von Kindeswohlgefährderung gehen von einem Elterteil aus.
Die meisten Fälle von Kindeswohlgefährderung gehen von einem Elterteil aus.Annette Riedl/dpa

Zum dritten Mal in Folge ist die Zahl der Fälle von Kindeswohlgefährdung gestiegen. Bei etwa 72.800 Kindern und Jugendlichen haben die Jugendämter 2024 nach Angaben des Statistischen Bundesamts Kindeswohlgefährdung durch Vernachlässigung, psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt festgestellt. Das entspricht einem Anstieg um fast ein Drittel binnen fünf Jahren.

Auch verglichen mit 2023 ist die Fallzahl den Angaben zufolge stark gestiegen. 63.700 Fälle von Kindeswohlgefährdung wurden demnach an die Behörden gemeldet. Allerdings geht das Statistische Bundesamt davon aus, dass es 2023 insgesamt etwa 67.300 Fälle gegeben hatte. Die Behörde hatte schätzen müssen, weil verschiedene Jugendämter keine Daten liefern konnten.

Jedes zweite betroffene Kind jünger als neun Jahre

Die meisten Fälle gingen mit 75 Prozent ausschließlich oder hauptsächlich von einem Elternteil aus. In etwa vier Prozent der Fälle war es ein Stiefelternteil oder die neue Partnerin oder der neue Partner eines Elternteils. Bei sechs Prozent der Fälle handelte es sich um eine sonstige Person – eine Tante, der Pflegevater, Sporttrainer oder Erzieher.

2024 waren in den mehr als 72.000 Fällen etwa jedes zweite betroffene Kind jünger als neun Jahre – jedes dritte jünger als sechs Jahre. Ein Großteil der Kinder wuchs entweder bei beiden Eltern oder mindestens einem alleinerziehenden Elternteil auf. 14 Prozent lebten demnach bei einem Elternteil in neuer Partnerschaft und zehn Prozent in einem Heim, bei Verwandten oder an einem anderen Ort. Zudem teilte das Statistische Bundesamt mit, dass bei etwa jedem dritten Fall mindestens ein Elternteil ausländischer Herkunft und die Familiensprache nicht Deutsch war.