Speiseeis

Eisdiele aus Rostock setzt auf Original-DDR-Softeis – und gehört jetzt zu den besten in Deutschland

Rostocker Eiswerkstatt mit DDR-Rezepten auf Deutschlands größter Eismesse ausgezeichnet. Die Rezeptur stammt aus den 70er-Jahren.

Die Eiswerkstatt schaffte es bei der Fachmesse „Gelatissimo“ unter die Top 100 in Deutschland.
Die Eiswerkstatt schaffte es bei der Fachmesse „Gelatissimo“ unter die Top 100 in Deutschland.Alexander Heinl

Die Eiswerkstatt Rostock hat auf der „Gelatissimo", der nach eigenen Angaben größten Fachmesse für handwerklich hergestelltes Speiseeis nördlich der Alpen, eine Auszeichnung als eine der besten Eisdielen Deutschlands erhalten. Die Eiswerkstatt von der Ostsee hat es unter die Top 100 geschafft. Das Besondere: Das Unternehmen setzt konsequent auf Originalrezepturen und Produktionstechnik aus DDR-Zeiten.

„Unsere Maschinen arbeiten ohne Luftaufschlag. Das Eis ist komprimierter, es ist noch wie früher", erklärt Mitgründer Felix Rehberg am Produktionsstandort im Rostocker Stadtteil Dierkow dem Nordkurier. Man bekomme noch den „klassischen Gehirnfrost", wenn man das Eis zu schnell esse.

Die Eiswerkstatt stellt nach eigenen Angaben authentisches DDR-Softeis in Originalmaschinen her – ein Anspruch, den Rehberg bei vielen Mitbewerbern vermisst. „Viele schreiben zwar DDR-Softeis ran, aber das ärgert mich manchmal auch ein bisschen, denn viele haben es einfach nicht", sagt der 36-Jährige. Häufig würden moderne Maschinen verwendet, die ein anderes Ergebnis lieferten.

Maschinen aus Berliner Kellern gerettet und instandgesetzt

Die Eismaschinen der Werkstatt stammen aus den Jahren 1980 bis 1989 und sind damit älter als Rehberg selbst. Als er und sein Mitgründer 2013 mit der Eisproduktion begannen, holten sie die ersten Geräte aus einem Berliner Keller, wo eine Eisdiele aufgegeben worden war. Die Maschinen wurden anschließend wieder funktionstüchtig gemacht. Inzwischen umfasst der Bestand 18 Eismaschinen. Bewusst kaufe man auch alte Geräte auf, um an Ersatzteile zu gelangen.

Auch die Rezeptur hat historische Wurzeln: Sie stammt aus den 70er-Jahren und wurde vor etwa fünf bis sechs Jahren erworben. „Es gab verschiedene Hersteller. Es gab Anona oder auch Komet. Und dann gab es noch ein, zwei, die sich daran angelehnt haben, und die Rezeptur konnten wir erwerben", erläutert Rehberg. Das Eis werde mit frischen Früchten hergestellt.

Ganzjahreskonzept mit Waffeln, Crêpes und Eishörnchen

Anders als viele traditionelle Eisdielen, die im Winter schließen, betreibt die Eiswerkstatt ein Ganzjahreskonzept. „Nicht so wie viele Italiener früher, die haben den Sommer über aufgehabt und im Winter ein Schild dran gehabt: Im Frühjahr geht es wieder los", sagt Rehberg. Wirtschaftlich sei ein saisonaler Betrieb keine Option, da man die Mitarbeiter ganzjährig halten wolle. In der kalten Jahreszeit ergänzen daher warme Speisen wie Waffeln, Crêpes und sogenannte Eishörnchen – aufgeschnittene, gebackene Croissants, die mit Eis gefüllt werden – das Angebot.

Insgesamt hat die Eiswerkstatt bisher 40 bis 45 Sorten kreiert, von denen rund 15 auch in Lebensmittelgeschäften wie Edeka und Rewe sowie in den eigenen Filialen erhältlich sind. Das Unternehmen betreibt vier Standorte in und um Rostock: Am Hopfenmarkt und im Warnowpark sind die Geschäfte derzeit geöffnet, in Dierkow wurde während der Winterferien freitags bis sonntags verkauft, und am Standort Globus in Roggentin soll ab dem Frühjahr wieder Eis über die Theke gehen.