Nach Kritik

DDR-Geschichte bleibt doch Pflichtstoff an Berliner Schulen: Bildungssenatorin macht Rückzieher

An den Plänen von Katharina Günther-Wünsch gab es scharfe Kritik. Nun rudert sie zurück und ändert die Pläne für die gymnasiale Oberstufe.

Katharina Günther-Wünsch (CDU), Bildungssenatorin, stand zuletzt in der Kritik.
Katharina Günther-Wünsch (CDU), Bildungssenatorin, stand zuletzt in der Kritik.Christoph Soeder/dpa

Die Geschichte der DDR bleibt doch Pflichtstoff in der gymnasialen Oberstufe in Berlin. Wie die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie auf Anfrage mitteilte, nahm die Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) die scharfe Kritik an der geplanten Reform zur Kenntnis.

Bei der Debatte um die Reform geht es unter anderem darum, welcher Stoff für alle verpflichtend sein soll. Nach den Plänen der Bildungsverwaltung soll Geschichte in der gymnasialen Oberstufe künftig nur noch in den ersten beiden Kurshalbjahren verbindlich belegt werden.

DDR-Geschichte nicht mehr verpflichtend? Scharfe Kritik

Nationalsozialismus und Weimarer Republik sollen in diesen Halbjahren behandelt werden. Die späteren Kurshalbjahre, in denen im Berliner Lehrplan die deutsche Teilung, die DDR und im Anschluss Erinnerungskultur und Aufarbeitung thematisiert werden, soll nicht mehr verpflichtend sein.

Die Reformpläne sorgten für scharfe Kritik. Der Verband der Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlands und die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur warnten deshalb in einem offenen Brief an Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) vor einer faktischen Abwertung der DDR-Geschichte und fordern eine Korrektur der Belegpflicht.

Die in einem offenen Brief angesprochenen Kritikpunkte „wurden zum Anlass genommen, die vorgesehenen Regelungen gemeinsam mit der Fachpraxis einzuordnen und ihre Umsetzung zu präzisieren“, so ein Sprecher der Senatsverwaltung.

In einem fachlichen Austausch am Freitag habe sich Günther-Wünsch und die Vorsitzende des Berliner Landesverbands der Geschichtslehrerinnen und -lehrer auf eine „Konkretisierung der Belegverpflichtung unter Berücksichtigung rechtlicher wie schulorganisatorischer Rahmenbedingungen“ verständigt..

Neuer Plan: So sollen Schüler doch DDR-Geschichte lernen

Alle Schüler belegen verpflichtend die Kurshalbjahre Q2 (Weimarer Republik und Nationalsozialismus) sowie Q3 (Welt nach 1945). Damit bleibe „die Behandlung zentraler Kapitel der deutschen Geschichte, einschließlich der Zeit nach 1945 und somit der deutschen Teilung, verbindlicher Bestandteil des Geschichtsunterrichts in der gymnasialen Oberstufe“.

In Kursen, in denen Schüler mit unterschiedlicher Belegdauer (zwei oder vier Semester) gemeinsam unterrichtet werden, werde die zeitliche Zuordnung der Inhalte des neuen Rahmenlehrplans Geschichte flexibler gestaltet. Konkret bedeutet dies: Im ersten Jahr der Qualifikationsphase werden die Themen der Kurshalbjahre Q2 und Q3 behandelt. Im zweiten Jahr folgen die Inhalte der Kurshalbjahre Q1 (Umbrüche und Revolutionen) sowie Q4 (Erinnern und Gedenken). Die Verordnung über die gymnasiale Oberstufe (VO-OG) werde entsprechend präzisiert.