Christopher Street Day 2024

Pride in Berlin: Gute Stimmung beim CSD, Flaschenwürfe bei „Queers for Palestine“

Am Abend sang Herbert Grönemeyer bei der Abschlusskundgebung vor dem Brandenburger Tor. In Neukölln kam es zu Protesten mit Nahost-Bezug. Eine Bilanz. 

Beim CSD 2024 zogen zahlreiche bunt gekleidete Menschen durch die Berliner Straßen. 
Beim CSD 2024 zogen zahlreiche bunt gekleidete Menschen durch die Berliner Straßen. Emmanuele Contini

Am Samstag zog die große Parade zum 46. Berliner Christopher Street Day (CSD) durch Berlin. Parallel fanden Proteste mit Nahost-Bezug in Neukölln statt. Nach dem regenreichen Start am Morgen waren am Nachmittag nur noch wenige Regenschirme auf dem CSD zu sehen. Von zahlreichen Trucks ertönte Musik, die Menschen feierten ausgelassen.

CSD in Berlin: Hunderttausende erwartet

Erwartet wurden Hunderttausende Menschen zur CSD-Parade in Berlin-Mitte. Offizielle Schätzungen der Polizei zur Teilnehmerzahl lagen am Nachmittag noch nicht vor. Gegen 16.15 Uhr startete ein Hubschrauber der Polizei, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Der CSD in Berlin gilt als eine der größten Veranstaltungen der lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans-, intergeschlechtlichen und queeren Community in Europa. 75 Trucks waren dem veranstaltenden Verein zufolge diesmal unterwegs. Die Kundgebung stand in diesem Jahr unter dem Motto „Nur gemeinsam stark – für Demokratie und Vielfalt“.


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Polizei überprüft Nazis: Sonst kaum Zwischenfälle

Zwischenfälle gab es bis zum frühen Nachmittag kaum. Eine Gruppe von Rechtsextremisten in szenetypischer Kleidung habe allerdings versucht, zum Aufzug zu kommen, sagte ein Sprecher der Polizei. Sie seien von Beamten am Weiterlaufen gehindert worden und wurden überprüft.

Zum Auftakt des CSD rief der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Morgen zur Verteidigung von Vielfalt und Toleranz in der Gesellschaft auf. „Berlin ist und bleibt die Stadt der Freiheit und der Menschenrechte“, erklärte Wegner: „Wir werden unsere Werte wie Vielfalt, Respekt und Toleranz verteidigen.“ Er verwies darauf, dass in der queeren Community viele Menschen derzeit beunruhigt seien, „dass Berlins weltoffenes, tolerantes Klima in Gefahr ist“. Wegner betonte, die Stadt stelle sich konsequent gegen Homophobie, Hasskriminalität, Ausgrenzung und Gewalt.

CSD-Besucher: „Wir finden, dass Hardstyle zu wenig in Berlin vertreten ist“

Die Gruppe um den 19-jährigen Fabian am Potsdamer Platz wirkte im bunten Treiben ein wenig aus der Reihe gefallen. Er und seine Freunde waren mit einer Box auf einem Handwagen gekommen, tanzten anders als die anderen und zu härterem Techno. Sie trugen überwiegend schwarze Kleidung. Fabian sagte, er und seine Freunde seien hier, um mit den anderen zu feiern. Klar seien sie auch für „Gleichberechtigung und dass alle gleich gut bezahlt werden“. Doch sein Hauptpunkt schien die Musikrichtung zu sein: „Wir finden, dass Hardstyle zu wenig in Berlin vertreten ist.“

Die beiden 19-jährigen Teilnehmerinnen Key und Charlie liefen ebenfalls beim CSD mit. Sie hatten ihre Brustwarzen mit pinkem Tape abgeklebt und sich eine Regenbogen-Flagge um die Hüften gebunden. Key sagte, wenn sie sonst so herumlaufen würde, hätte sie Angst um ihr Leben. Auf dem CSD sei diese Angst nicht so präsent. Doch sie erzählten auch, dass sie dieses Jahr beim CSD mehrfach von mittelalten Männern angesprochen wurden, die Fotos mit ihnen machen wollten. „Für viele ist es ein Safe-Space, aber Unternehmen und Privatpersonen nutzen das einfach aus“, sagte Key. 

Hermannplatz: Polizei untersagt Symbole der Hamas

Während der CSD stattfand, erreichte gegen 16 Uhr die Demonstration „Queers for Palestine“ der Organisation Internationalist Queer Pride mit etwa 1400 Teilnehmern den Hermannplatz. Mit von der Partie war nach Informationen der Berliner Zeitung ein anarchistischer Block – überwiegend in schwarz gekleidet – im hinteren Teil des Aufmarsches. Die Polizei wies die Teilnehmer zu Beginn auf das Verbot hin, Symbole der Hamas oder ihr nahestehender Organisationen zu zeigen.

Mit mehreren Mannschaftswagen und zahlreichen Polizisten wirkte die Polizeipräsenz deutlich größer als auf dem CSD am Leipziger Platz. Dies hatte nach Aussage eines Polizisten wohl auch mit der politischen Ausrichtung der Demonstration zu tun.

Viele der Anwesenden trugen Pali-Tücher oder Schals in den Farben Palästinas. Eine Gruppe legte eine Twerk-Tanz-Einlage zu Free-Palestine-Gesängen hin. Es gab verglichen mit anderen propalästinensischen Demos nur wenige Lautsprecherkundgebungen, dafür Trommeln. Vereinzelt kam es immer wieder zu Tumulten. So auch am Maybachufer, wo eine kleinere Gruppe offenbar „Hamas, Hamas“ rief. Hier und an anderen Orten kam es zu Festnahmen. 

Der Zug kam schließlich am Mariannenplatz zum Stehen. Die Polizei schätzt, dass etwa 5000 bis 7000 Demonstranten vor Ort waren. 

Aktivisten tanzen bei einer Performance auf der Demonstration „Queers for Palestine“ der Organisation Internationalist Queer Pride. 
Aktivisten tanzen bei einer Performance auf der Demonstration „Queers for Palestine“ der Organisation Internationalist Queer Pride. Carsten Koall/dpa

CSD in Berlin: Herbert Grönemeyer singt bei der Abschlusskundgebung

Die Abschlusskundgebung fand in diesem Jahr vor dem Brandenburger Tor statt. Der Musiker Herbert Grönemeyer war in diesem Jahr Special Guest beim CSD in Berlin. Ab 22.30 Uhr sollte der Sänger auf der Bühne auftreten und eine musikalische Darbietung sowie ein Statement abgeben. 

(mit dpa, AFP)

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