China hat nach Angaben seines Militärs am Montag groß angelegte Übungen vor Taiwan begonnen. Dabei werde auch scharfe Munition eingesetzt, teilte das östliche Kommando der Volksbefreiungsarmee mit. Im Fokus stünden unter anderem „maritime Ziele im Norden und Südwesten Taiwans“. Zum Einsatz kämen Zerstörer, Fregatten, Kampfflugzeuge, Bomber und Drohnen, berichtete unter anderem die Nachrichtenagentur AFP.
Der Sprecher des östlichen Kommandos, Shi Yi, erklärte, an den Manövern beteiligten sich Heer, Marine, Luftwaffe und Raketeneinheiten. Schiffe sollten sich „aus verschiedenen Richtungen in unmittelbarer Nähe der Insel Taiwan nähern“. Die Übungen dienten als „deutliche Warnung“ an „separatistische Kräfte“ und sollten die „chinesische Souveränität und nationale Einheit“ sichern.
Das Manöver trägt den Namen „Justice Mission 2025“. Es solle unter anderem die Fähigkeit zu Seeblockaden sowie zur Kontrolle wichtiger Häfen und strategischer Gebiete testen. Live-Feuerübungen seien in fünf See- und Luftraumzonen rund um die Insel angekündigt worden.
Taiwan wirft China „Einschüchterung“ vor
Taiwans Regierung verurteilte die Manöver als „Missachtung internationaler Normen“ und warf Peking „militärische Einschüchterung“ vor. Das Verteidigungsministerium erklärte, die eigenen Streitkräfte seien in erhöhter Alarmbereitschaft und es seien größere Schiffe sowie unterstützende Einheiten in die betroffenen Seegebiete entsandt worden. Zudem seien vier Boote der chinesischen Küstenwache vor der Nord- und Ostküste Taiwans gesichtet worden, berichtete AFP.
We strongly condemn the PRC’s irrational provocations and oppose the PLA’s actions that undermine regional peace.
— 國防部 Ministry of National Defense, ROC(Taiwan) 🇹🇼 (@MoNDefense) December 29, 2025
Rapid Response Exercises are underway, with forces on high alert to defend the Republic of China and protect our people.#ROCArmedForces#PeaceThroughStrength pic.twitter.com/4s10nfLO6D
Auch Privatpersonen sind von dem Manöver nach taiwanesischen Angaben betroffen. „Morgen werden Linienflüge, darunter etwa 296 internationale Abflüge, rund 265 internationale Ankünfte und etwa 296 Transitflüge betroffen sein“, erklärte die zivile Luftfahrtbehörde Taiwans am Montag. Die Auswirkungen des Manövers würden die Flüge von „mehr als 100.000 Passagieren“ beeinträchtigen, hieß es weiter.
China will Wiedervereinigung mit Taiwan erwirken
Die Übungen finden vor dem Hintergrund wachsender Spannungen statt. CNN berichtet, dass sie auch als Reaktion auf die jüngst angekündigten Rüstungsverkäufe der USA an Taiwan verstanden werden. Das Paket im Umfang von rund elf Milliarden US-Dollar umfasst unter anderem Raketenartilleriesysteme vom Typ Himars, Panzerabwehrraketen, Drohnen und militärische Software.
China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und hat wiederholt erklärt, eine Wiedervereinigung notfalls mit militärischer Gewalt durchsetzen zu wollen. Die kommunistische Führung in Peking hat in den vergangenen Jahren ihre militärischen Aktivitäten rund um die demokratisch regierte Insel deutlich verstärkt. Zuletzt hatte die Volksrepublik im April Übungen mit scharfer Munition in der Region abgehalten.
Wie lang die jüngsten Manöver dauern sollen, blieb zunächst offen. Nach Angaben von CNN sollen Sperrzonen im See- und Luftraum am Dienstag für Live-Feuerübungen geschlossen werden.

