Brandenburg

Nach Verständnis für AfD-Aussage: Dorst räumt Spitzenamt

Ein umstrittenes Posting zur NS-Zeit bringt den BSW-Politiker Christian Dorst zu Fall. Sein Rücktritt verschärft die Krise der ohnehin angeschlagenen Fraktion.

Christian Dorst, BSW
Christian Dorst, BSWdts Nachrichtenagentur/imago

In Brandenburg ist der stellvertretende Vorsitzende der BSW-Landtagsfraktion, Christian Dorst, nach heftiger Kritik an seiner Reaktion auf eine umstrittene AfD-Äußerung zur NS-Zeit zurückgetreten. Wie Fraktionschef Niels-Olaf Lüders mitteilte, legte Dorst sein Amt nieder. Die BSW-Fraktion steckt ohnehin in einer schweren Krise, nachdem vier Abgeordnete die Partei verlassen haben und die Koalition mit der SPD wackelt.

Auslöser des Rücktritts war Dorsts Kommentar auf X. Dort hatte er auf eine Aussage des sachsen-anhaltischen AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund reagiert, der im „Politico“-Podcast die Frage, ob die NS-Zeit das „Schlimmste der Menschheit“ gewesen sei, nicht beantworten wollte. Dorst schrieb, man könne diese Einordnung als „Vorstufe zur Leugnung des Holocaust“ sehen, aber auch „völlig anders bewerten“.

Dorst greift Zentralrat-Präsident an – Fraktionsführung reagiert

Für zusätzliche Empörung sorgte Dorsts Angriff auf den Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. Dieser hatte erklärt, Siegmunds Aussagen ließen „Sympathien für die Zeit des Nationalsozialismus“ erkennen. Dorst bezeichnete Schusters Bewertung als „wahrhaft perfide“ und warf einzelnen Akteuren vor, den Holocaust zu instrumentalisieren. Diese Wortwahl stieß parteiintern und über Parteigrenzen hinweg auf massive Kritik.

Lüders betonte nach Dorsts Rücktritt, der Abgeordnete habe die „Singularität des Holocaust nicht angezweifelt“. Zugleich stellte er klar, dass Dorsts zunehmend provokanter Auftritt in sozialen Medien nicht mit der Rolle eines Fraktionsvizes vereinbar sei. Dorst, der seit Oktober 2024 im Landtag sitzt, will sich zu den Vorwürfen noch äußern.