Archäologie

Studie: Bogen und Pfeil verbreiteten sich im Westen Nordamerikas schneller als gedacht

Eine Studie grenzt den Übergang von der Speerschleuder zeitlich enger ein. Demnach verbreitete sich die neue Jagdtechnik binnen vergleichsweise kurzer Zeit über große Räume.

Felskunst im Westen Nordamerikas: Archäologische Zeugnisse indigener Kulturen im heutigen Utah
Felskunst im Westen Nordamerikas: Archäologische Zeugnisse indigener Kulturen im heutigen UtahCorey Rich/imago

Der Übergang zur neuen Waffentechnologie in West-Nordamerika setzte vor etwa 1400 Jahren ein und verlief in vielen Teilen der Region erheblich schneller als bisher angenommen. Das geht aus einer Studie hervor, die am Dienstag in der Fachzeitschrift PNAS Nexus veröffentlicht wurde, wie die Wissenschaftsplattform EurekAlert mitteilte.

Der Untersuchung zufolge setzte sich die neue Waffentechnologie nicht über Jahrtausende hinweg langsam durch, sondern breitete sich innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitfensters über weite Teile der Region aus. Die Forschungsarbeit stützt sich auf eine systematische Neubewertung archäologischer Funde und deren Datierung.

Warum der Wechsel der Jagdtechnik so folgenreich war

Die Frage, wann genau die Jäger und Sammler West-Nordamerikas den Speerschleuder-Wurfspeer durch Bogen und Pfeil ersetzten, ist seit Jahrzehnten Gegenstand archäologischer Debatten. Frühere Schätzungen schwankten teils erheblich. Die Speerschleuder – ein Hebelgerät, mit dem Wurfspeere über größere Distanzen geschleudert werden – war über Jahrtausende das dominierende Fernwaffensystem auf dem Kontinent.

Bogen und Pfeil boten gegenüber dieser älteren Technik mehrere Vorteile: eine höhere Schussfrequenz, größere Reichweite und mehr Präzision bei der Jagd. Der Wechsel veränderte nach Einschätzung von Archäologen nicht nur Jagdstrategien, sondern wirkte sich auch auf Siedlungsmuster, soziale Strukturen und den Kontakt zwischen verschiedenen Gruppen aus.

Tempo der Verbreitung gibt Aufschluss über Kulturkontakte

Die in PNAS Nexus vorgelegte Analyse grenzt den Zeitraum des Übergangs nun enger ein und ordnet die Verbreitung in den Kontext weiterer kultureller Veränderungen jener Epoche ein. Wie schnell sich eine solche Innovation über große Entfernungen durchsetzte, lässt Rückschlüsse darauf zu, wie intensiv der Austausch zwischen weit voneinander entfernten Gemeinschaften in der Vorgeschichte tatsächlich war.

Die Studie reiht sich in eine wachsende Zahl archäologischer Arbeiten ein, die mithilfe verfeinerter Datierungsmethoden die Dynamik technologischer Übergänge in vorschriftlosen Gesellschaften besser zu erfassen versuchen.