Antisemitismus

Landgericht: Berufungsprozess nach brutalem Angriff auf jüdischen Studenten in Berlin begonnen

Angeklagter gesteht Gewalttat, bestreitet aber antisemitisches Motiv. Opfer Lahav Shapira erlitt schwere Verletzungen.

Der Angeklagte mit seinem Rechtsanwalt Ehssan Khazaeli (l) beim Prozess wegen einer Attacke auf den jüdischen Studenten Lahav Shapira.
Der Angeklagte mit seinem Rechtsanwalt Ehssan Khazaeli (l) beim Prozess wegen einer Attacke auf den jüdischen Studenten Lahav Shapira.Bernd von Jutrczenka/dpa

Mehr als zwei Jahre nach einem gewaltsamen Übergriff auf den jüdischen Studenten Lahav Shapira in Berlin-Mitte wird der Fall erneut vor Gericht verhandelt. Am Landgericht Berlin hat der Berufungsprozess gegen einen 25-jährigen ehemaligen Lehramtsstudenten der Freien Universität (FU) begonnen, der sich gegen eine Haftstrafe von drei Jahren wehrt. Das Amtsgericht Tiergarten hatte ihn im April 2025 wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt und den Angriff als „antisemitischen Gewaltexzess" eingestuft.

Die Tat ereignete sich am 2. Februar 2024 – rund vier Monate nach dem Terroranschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Der Angeklagte und Shapira, beide damals Kommilitonen an der FU, trafen sich zufällig in einer Bar in Berlin-Mitte. Als Shapira das Lokal verließ, folgte ihm der damals 24-Jährige nach draußen. Laut dem erstinstanzlichen Urteil schlug er seinen früheren Mitstudenten mit der Faust nieder und trat dem bereits blutend am Boden Liegenden wuchtig gegen den Kopf. Shapira erlitt Knochenbrüche im Gesicht sowie eine Hirnblutung.

„Ich sah ziemlich verbeult aus", sagte der inzwischen 32-jährige Shapira vor Gericht. Er habe danach zu Hause bleiben müssen, seine Mutter habe ihn versorgt. Versäumte Seminare an der Universität habe er nachholen müssen. „Ich habe ein halbes Jahr vom Leben verpasst", so der Nebenkläger.

Angeklagter entschuldigt sich, Verteidigung fordert Bewährungsstrafe

Der 25-Jährige gestand die Tat erneut, widersprach jedoch der Bewertung des Motivs. In einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung hieß es, die wesentliche Motivlage sei „eine vollkommen andere". Es gebe keine Beweise für eine antisemitisch motivierte Tat, so der Verteidiger. Der Angeklagte erklärte, er habe Shapira nicht so schwer verletzen wollen, und entschuldigte sich für „das Leid und die Schmerzen". Er arbeitet mittlerweile als Vertriebsmitarbeiter.

Bereits im ersten Prozess hatte die Verteidigung auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten wegen vorsätzlicher – nicht gefährlicher – Körperverletzung plädiert. Für die Berufungsverhandlung sind bislang drei Verhandlungstage bis zum 23. März angesetzt.

Shapira kämpft auch juristisch gegen die Freie Universität

Der Fall ist nicht das einzige Verfahren, das den Studenten beschäftigt. Bereits im Februar verhandelte das Landgericht Berlin einen weiteren Vorfall: Bei einer propalästinensischen Besetzung eines Hörsaals der FU im Dezember 2023 war Shapira der Zugang verwehrt worden. Das Verfahren gegen einen dabei eingesetzten Ordner wurde allerdings gegen eine Geldauflage von 450 Euro eingestellt.

Shapira – Bruder des deutsch-jüdischen Comedians Shahak Shapira – wirft der Freien Universität vor, nicht ausreichend gegen antisemitische Diskriminierung vorzugehen. Eine entsprechende Klage gegen die Hochschule liegt beim Verwaltungsgericht Berlin. Laut einem Gerichtssprecher soll am 23. März weiter darüber verhandelt werden.