Zensur

Berlin: Instagram-Accounts von Fetisch-Clubs gesperrt

Instagram-Sperrung trifft KitKatClub und Insomnia. Berliner Clubszene kritisiert „amerikanische Zensur“.

Der US-Konzern Meta sperrte die Instagram-Accounts sexpositiver Berliner Clubs – so wie auch das Profil des KitKatClubs.
Der US-Konzern Meta sperrte die Instagram-Accounts sexpositiver Berliner Clubs – so wie auch das Profil des KitKatClubs.Christophe Gateau/dpa

Der US-Konzern Meta hat die Instagram-Profile des Berliner Fetisch-Clubs „KitKatClub" und des sexpositiven Clubs „Insomnia" ohne Vorwarnung abgeschaltet. Beide Clubs bestätigten die Sperrungen dem RBB. Während der KitKatClub seinen Account nach einer Intervention bei Meta inzwischen zurückerhalten hat, war auch das Insomnia-Profil am Donnerstagabend wieder erreichbar. Eine Begründung für die Maßnahmen lieferte Meta in keinem der Fälle.

„Unser Instagram-Account mit 220.000 Followern wurde am 24. März ohne Vorwarnung oder Begründung vom Netz genommen", erklärte ein Sprecher des KitKatClubs. Der Account sei verifiziert gewesen – erkennbar am blauen Häkchen, das die Echtheit eines Profils bestätigt. Insomnia-Chefin Dominique berichtete von einem ähnlichen Ablauf: Mitte März sei zunächst ein Account mit 25.000 Followern gesperrt worden, eine Woche später ein zweiter mit über 12.000 Followern. „Das ist knallharte amerikanische Zensur", sagte Dominique.

Clubs betonen Einhaltung der Plattformregeln

Beide Clubs gaben an, sich stets an die strengen Inhaltsrichtlinien von Meta gehalten zu haben. „Wir haben eine sehr strikte Bilder-Policy – FSK 12", betonte Dominique. Auf den Bildern seien weder entblößte Brüste noch Genitalien zu sehen gewesen – „es sind einfach Menschen in knappen Outfits, die Spaß haben, die tanzen, die lustig in die Kamera lächeln."

Die wirtschaftlichen Folgen der Sperrung sind für die Clubs spürbar. Das Insomnia wickelte nach eigenen Angaben seinen gesamten Vorverkauf und das Ticketing über Instagram ab. „25.000 Follower baut man nicht über Nacht auf. Wir haben viel Arbeit und Energie investiert", erklärte Dominique. Eine Insolvenz stehe zwar nicht bevor, doch der finanzielle Schaden durch Investitionen in Fotos, PR und ein eigenes Social-Media-Team sei erheblich.

KitKatClub erhält Account zurück – ohne Erklärung

Die Betreiber des KitKatClubs beantragten nach der Sperrung umgehend die Wiederherstellung ihres Profils. Die Kommunikation mit Meta gestaltete sich jedoch zäh: Erst eine Woche nach der Abschaltung habe sich ein sogenannter Meta-Press-Officer gemeldet, der lediglich Domain und E-Mail-Adressen abglich. „Unsere Intervention bei Meta war somit erfolgreich. Einen Grund, warum er überhaupt gesperrt wurde, haben wir nicht erhalten", teilte ein Clubsprecher am Donnerstag mit. Meta äußerte sich bisher nicht zu den Vorfällen.

Die beiden Berliner Clubs sind offenbar nicht die einzigen Betroffenen. Laut Dominique wurden auch die Instagram-Accounts der Partyreihe „Unity@KitKat" sowie des „Catonium Hamburg" gesperrt.

Fachanwalt: Sperrung wirkt willkürlich

Der Berliner Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht Jan Mönikes ordnete die Vorgänge gegenüber RBB ein. Die großen Social-Media-Plattformen operierten auf Basis eigener Nutzungsbedingungen, die sie als „Policies" bezeichneten. Rechtlich handele es sich dabei um Allgemeine Geschäftsbedingungen, denen Nutzer bei der Anmeldung zustimmen. Diese Richtlinien seien zwar grundsätzlich mit europäischem Recht vereinbar, bildeten aber „das deutsche Recht nicht eins zu eins ab". Plattformen nähmen sich das Recht heraus, Inhalte auch dann zu sperren, wenn sie nach deutschem Recht zulässig wären.

Sollten sich die Clubs tatsächlich an die Vorgaben gehalten haben, wirke die Abschaltung „bereits sehr willkürlich", so Mönikes. Grundsätzlich sei es möglich, gegen eine rechtswidrige Sperrung vorzugehen, da Meta einen Sitz in Europa habe.

Ein Umzug auf alternative Plattformen sei zwar denkbar, sagte Dominique, doch Instagram sei ein „Einfallstor, mit Menschen in Kontakt zu kommen oder Menschen mal eine Idee zu präsentieren, nach der sie nicht gesucht haben". Das Insomnia wolle sich nun an die Berliner Clubcommission wenden und anwaltlichen Rat einholen. „Aber man fühlt sich ganz schön klein und machtlos gegen so einen übermäßig großen Konzern wie Meta", sagte sie.