Raumfahrt

Artemis-2-Crew verlässt Erdumlaufbahn in Richtung Mond

Ein entscheidender Schub katapultierte das Raumschiff der Artemis-2-Mission in Richtung Mond. Zum ersten Mal seit 1972 haben Menschen die Erdumlaufbahn verlassen.

Die Artemis II-Besatzung spricht aus der Mondumlaufbahn mit der Nasa-Missionskontrolle.
Die Artemis II-Besatzung spricht aus der Mondumlaufbahn mit der Nasa-Missionskontrolle.NASA/dpa

Die vier Astronauten der Nasa-Mondmission Artemis 2 haben am Donnerstagabend die Erdumlaufbahn verlassen und befinden sich nun auf dem Weg zum Mond. Das Haupttriebwerk der Orion-Kapsel zündete um 19.49 Uhr US-Ostküstenzeit (1.49 Uhr MESZ am Freitag) für rund fünf Minuten und 50 Sekunden und brachte das Raumschiff auf seine Flugbahn Richtung Mond, wie die Nasa mitteilte. Es ist das erste Mal seit dem Jahr 1972, dass Menschen die Erdumlaufbahn verlassen.

Das sogenannte Translunar-Injection-Manöver (TLI) – der entscheidende Schub, der ein Raumschiff aus der Erdumlaufbahn in Richtung Mond katapultiert – verlief nach Angaben der Nasa-Wissenschaftlerin Lori Glaze „einwandfrei“. Das Triebwerk der Orion erzeugt dabei eine Schubkraft von bis zu 2700 Kilogramm. Genug, um ein Auto in etwa 2,7 Sekunden von null auf hundert Kilometer pro Stunde zu beschleunigen. Während des Manövers verbrannte die Kapsel rund 450 Kilogramm Treibstoff, wie die Nasa mitteilte.

„Der Besatzung geht es hier oben auf dem Weg zum Mond ziemlich gut“, meldete sich der kanadische Astronaut Jeremy Hansen nach dem Manöver zu Wort. „Die Menschheit hat einmal mehr gezeigt, wozu wir fähig sind“, fügte er hinzu. Hansen ist der erste Nicht-Amerikaner, der „zum Mond“ reist. Die zehntägige Mission sieht eine Umrundung des Erdtrabanten vor, eine Landung ist nicht geplant.

Die Crew – bestehend aus den US-Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover und Christina Koch sowie dem Kanadier Hansen – war am Mittwochabend vom Kennedy Space Center in Florida gestartet. Artemis 2 soll die Voraussetzungen für eine geplante Mondlandung schließlich im Jahr 2028 schaffen.

Rekordentfernung und Sonnenfinsternis geplant

Laut BBC wird die Crew dabei voraussichtlich mehr als 7600 Kilometer jenseits des Mondes reisen – weiter von der Erde entfernt als Menschen je zuvor waren. Damit könnte der bisherige Rekord von Apollo 13 aus dem Jahr 1970 übertroffen werden, abhängig von den genauen Flugbahndaten.

Etwa am sechsten Missionstag erwartet die Astronauten ein seltenes Schauspiel: eine totale Sonnenfinsternis, bei der sich der Mond aus der Perspektive der Orion-Kapsel vor die Sonne schiebt. Dabei soll die Crew die Sonnenkorona – die äußerste Atmosphäre der Sonne – beobachten sowie nach Lichtblitzen von Meteoriteneinschlägen auf der Mondoberfläche Ausschau halten.

Zuvor hatte die Besatzung rund einen Tag in einer gestreckten Erdumlaufbahn verbracht, in der Triebwerke, Navigation und Lebenserhaltungssysteme überprüft wurden. Ein kurzzeitiger Kommunikationsausfall kurz nach Erreichen der Umlaufbahn ging laut Nasa auf ein Konfigurationsproblem am Boden beim Tracking- und Datenrelaissatelliten-System zurück und hatte keine Auswirkungen auf den Missionsverlauf.

So halten sich die Astronauten fit

An Bord trainieren die Astronauten mit einem kompakten Schwungrad-Trainingsgerät, das nur rund 14 Kilogramm wiegt und etwa die Größe eines Handgepäckstücks hat. Es ermöglicht sowohl Ausdauer- als auch Kraftübungen mit Widerständen von bis zu 180 Kilogramm – nötig, weil die umfangreiche Fitnessausrüstung der Internationalen Raumstation im engen Orion-Raumschiff keinen Platz findet.

Auch nach dem TLI-Manöver kann die Mission im Notfall abgebrochen werden: In den ersten 36 Stunden wäre eine Kehrtwende der schnellste Rückweg, danach sei es oft einfacher, die Mondumrundung abzuschließen, erklärte Orion-Programmmanager Howard Hu vor dem Start.

Die Nasa zeigt den gesamten Missionsverlauf auf ihrem YouTube-Kanal im Livestream.