Am heutigen Sonntagabend wird der Görlitzer Park in Kreuzberg zum ersten Mal über Nacht geschlossen. Damit tritt eine Maßnahme in Kraft, die der Berliner Senat bereits vor zweieinhalb Jahren angekündigt hatte. Hintergrund ist der seit Jahren anhaltende offene Drogenhandel sowie weitere Formen der Kriminalität in dem Park, der als einer der bekanntesten sozialen Brennpunkte der Hauptstadt gilt.
Ab 22 Uhr (im Sommer ab 23 Uhr) bis 6 Uhr morgens werden nun täglich die 16 Eingänge des Parks mit neu errichteten Toren abgesperrt. Die neuen Öffnungs- und Schließzeiten sind an sämtlichen Zugängen ausgehängt. Wer sich zum Zeitpunkt der Schließung noch im Park aufhält, kann das Gelände weiterhin über installierte Drehtüren verlassen, ein Betreten ist jedoch nicht mehr möglich. Mit diesem Schritt hofft der Senat, den nächtlichen Handel mit Betäubungsmitteln einzudämmen und die Sicherheitslage zu verbessern.
Für das Schließen der Tore am Abend ist ein privater Wachdienst zuständig. Er übernimmt nicht nur das tägliche Verriegeln der Zugänge, sondern soll auch während der Nacht im Park patrouillieren. Personen, die sich nach der Schließung noch auf dem Gelände aufhalten, werden von dem Sicherheitsdienst zum Verlassen aufgefordert. Falls nötig, sollen das Ordnungsamt oder die Polizei informiert werden.
Wirksamkeit soll untersucht werden
Die nächtliche Schließung geht maßgeblich auf einen Vorschlag der Polizei zurück. Aus ihrer Sicht bot der weitläufige Park bislang ideale Rückzugsräume für Dealer und andere Kriminelle. Ohne den frei zugänglichen Parkraum in den Nachtstunden erhofft sich die Polizei eine leichtere Strafverfolgung und weniger Tatgelegenheiten. Insbesondere die Unübersichtlichkeit des Geländes hatte Einsätze in der Vergangenheit erschwert. Durch die zeitliche Begrenzung des Zugangs soll sich die Situation nun entspannen.
Kritik an der Maßnahme gibt es jedoch weiterhin. Mehrere Initiativen lehnen die Schließung ab und sprechen von Symbolpolitik. Sie argumentieren, dass der Drogenhandel nicht verschwinde, sondern lediglich verdrängt werde – möglicherweise noch stärker als bisher in umliegende Wohngebiete. Hauseingänge, Hinterhöfe und angrenzende Straßen könnten demnach verstärkt zum Ausweichraum werden. Für den heutigen Abend riefen die Initiativen zu Protesten auf; für eine Demonstration wurden rund 100 Teilnehmer angemeldet.


