Kreuzberg

Der Zaun steht: Sonntagabend wird der Görlitzer Park erstmalig abgeschlossen

Die Eingänge des Görlitzer Parks werden fortan über Nacht verriegelt – Senat und Polizei erhoffen sich weniger Drogenhandel, Initiativen protestieren gegen Verdrängungseffekte.

Ein neues Eingangstor am Görlitzer Park. Wer zu spät im Park ist, kann über die Drehtür raus.
Ein neues Eingangstor am Görlitzer Park. Wer zu spät im Park ist, kann über die Drehtür raus.Andrea Rabenstein

Am heutigen Sonntagabend wird der Görlitzer Park in Kreuzberg zum ersten Mal über Nacht geschlossen. Damit tritt eine Maßnahme in Kraft, die der Berliner Senat bereits vor zweieinhalb Jahren angekündigt hatte. Hintergrund ist der seit Jahren anhaltende offene Drogenhandel sowie weitere Formen der Kriminalität in dem Park, der als einer der bekanntesten sozialen Brennpunkte der Hauptstadt gilt.

Ab 22 Uhr (im Sommer ab 23 Uhr) bis 6 Uhr morgens werden nun täglich die 16 Eingänge des Parks mit neu errichteten Toren abgesperrt. Die neuen Öffnungs- und Schließzeiten sind an sämtlichen Zugängen ausgehängt. Wer sich zum Zeitpunkt der Schließung noch im Park aufhält, kann das Gelände weiterhin über installierte Drehtüren verlassen, ein Betreten ist jedoch nicht mehr möglich. Mit diesem Schritt hofft der Senat, den nächtlichen Handel mit Betäubungsmitteln einzudämmen und die Sicherheitslage zu verbessern.

Für das Schließen der Tore am Abend ist ein privater Wachdienst zuständig. Er übernimmt nicht nur das tägliche Verriegeln der Zugänge, sondern soll auch während der Nacht im Park patrouillieren. Personen, die sich nach der Schließung noch auf dem Gelände aufhalten, werden von dem Sicherheitsdienst zum Verlassen aufgefordert. Falls nötig, sollen das Ordnungsamt oder die Polizei informiert werden.

Wirksamkeit soll untersucht werden

Die nächtliche Schließung geht maßgeblich auf einen Vorschlag der Polizei zurück. Aus ihrer Sicht bot der weitläufige Park bislang ideale Rückzugsräume für Dealer und andere Kriminelle. Ohne den frei zugänglichen Parkraum in den Nachtstunden erhofft sich die Polizei eine leichtere Strafverfolgung und weniger Tatgelegenheiten. Insbesondere die Unübersichtlichkeit des Geländes hatte Einsätze in der Vergangenheit erschwert. Durch die zeitliche Begrenzung des Zugangs soll sich die Situation nun entspannen.

Kritik an der Maßnahme gibt es jedoch weiterhin. Mehrere Initiativen lehnen die Schließung ab und sprechen von Symbolpolitik. Sie argumentieren, dass der Drogenhandel nicht verschwinde, sondern lediglich verdrängt werde – möglicherweise noch stärker als bisher in umliegende Wohngebiete. Hauseingänge, Hinterhöfe und angrenzende Straßen könnten demnach verstärkt zum Ausweichraum werden. Für den heutigen Abend riefen die Initiativen zu Protesten auf; für eine Demonstration wurden rund 100 Teilnehmer angemeldet.

Um die Wirksamkeit der nächtlichen Schließung zu überprüfen, ist eine wissenschaftliche Evaluation vorgesehen. Diese soll untersuchen, ob die Maßnahme tatsächlich zu einem Rückgang der Kriminalität im Park führt oder ob sich die Probleme lediglich räumlich verlagern. Erste Ergebnisse werden bis zum Ende des Jahres erwartet.