Verkehr

Studie: Drei Viertel der Fahrer sehen bei Unfällen keine eigene Verantwortung

Viele Autofahrende sehen sich selbst kaum in der Verantwortung für Unfälle. Eine Studie zeigt: Ablenkung bleibt eines der größten Risiken.

Viele Autofahrer sind sich bei Unfällen keiner Schuld bewusst.
Viele Autofahrer sind sich bei Unfällen keiner Schuld bewusst.Stefan Puchner

Vier von zehn Autofahrenden in Deutschland waren in den vergangenen drei Jahren in einen Unfall oder eine gefährliche Situation verwickelt. Das geht aus der neuen Ablenkungsstudie 2025 des Direktversicherers DA Direkt hervor. Besonders auffällig: Drei Viertel der Betroffenen sehen die Verantwortung nicht bei sich selbst, sondern bei anderen Verkehrsteilnehmern. Lediglich 14 Prozent gestehen eine eigene Schuld ein, weitere zwölf Prozent sprechen von einer Teilschuld. Für den Versicherer zeigt dies eine bedenkliche Verzerrung der Selbstwahrnehmung im Straßenverkehr.

„Das geht rechnerisch nicht auf“, sagt René Billing, Vorstand Direct Insurance von DA Direkt. Wenn so viele Beteiligte die Verantwortung vollständig abgeben, sei das ein Alarmsignal. Gleichzeitig belege die Studie, dass Ablenkung – nach überhöhter Geschwindigkeit – zu den häufigsten vermeidbaren Unfallursachen zählt. Jeder vierte Unfall (26 Prozent) gehe laut Untersuchung auf Unaufmerksamkeit zurück. Besonders häufig betroffen seien jüngere Fahrerinnen und Fahrer: In der Gruppe unter 30 Jahren gelten 72 Prozent als stark abgelenkt.

Ablenkung bleibt ein unterschätztes Risiko

Nach Angaben des Versicherers gelten Autofahrende als stark abgelenkt, wenn sie mindestens eine störende Tätigkeit wie Smartphone-Nutzung, Essen und Trinken oder intensive Gespräche während der Fahrt häufig ausüben. Insgesamt trifft dies laut Studie auf 58 Prozent der Autofahrer in Deutschland zu. Das Smartphone spiele dabei eine zentrale Rolle: Wer es während der Fahrt in der Hand nutzt, verstößt nicht nur gegen gesetzliche Vorgaben, sondern erhöht das Unfallrisiko erheblich.

Um gefährliche Situationen zu vermeiden, rät der Versicherer, das Handy stummgeschaltet und außerhalb der Griffweite zu verstauen, etwa auf der Rückbank. Bei Nutzung zur Navigation sollte es in einer stabilen Halterung fixiert werden. Tätigkeiten wie Essen, Telefonieren ohne Freisprechanlage, Schminken oder das Richten der Frisur sollten grundsätzlich vor oder nach der Fahrt erledigt werden. Mehr Selbstreflexion sei entscheidend, betont Billing: Nur wenn Fahrer ihren eigenen Anteil am Risiko erkennen, lasse sich die Unfallgefahr langfristig reduzieren.