Am Tag des Gedenkens an Pogrom

13-Jähriger zeigt in Rostock-Lichtenhagen mutmaßlich Hitlergruß

Am Rande der Gedenkveranstaltungen zum 30. Jahrestag der rassistischen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen, soll der Junge den rechten Arm gehoben haben.

Von den Ehrengästen abgelegte Sonnenblumen stehen bei der Gedenkveranstaltung zum 30. Jahrestag der rassistischen Ausschreitungen im Stadtteil Lichtenhagen vor dem Sonnenblumenhaus.
Von den Ehrengästen abgelegte Sonnenblumen stehen bei der Gedenkveranstaltung zum 30. Jahrestag der rassistischen Ausschreitungen im Stadtteil Lichtenhagen vor dem Sonnenblumenhaus.dpa/Jens Büttner

Am Tag des Gedenkens an die rassistischen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen hat dort ein 13-Jähriger vor laufender Kamera mutmaßlich den Hitlergruß gezeigt. Wie die Polizei in der mecklenburg-vorpommerschen Stadt mitteilte, fuhr der Jugendliche am Donnerstagvormittag im Stadtteil Lichtenhagen auf einem Fahrrad hinter einem Reporter in eine Aufzeichnung und „hob dabei den rechten Arm“. Die Journalisten meldeten dies umgehend der Polizei, die den 13-Jährigen in der Nähe aufgreifen konnte.

Nach Angaben der Ermittler sicherten Polizeibeamte umgehend das Videomaterial und schalteten den Staatsschutz ein, der wegen des Verdachts der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisatoren ermittelt. Aufgrund der genauen Beschreibung wurde der Verdächtige nach kurzer Zeit in direkter Nähe von Einsatzkräften angetroffen. Es handelt sich um einen Jugendlichen aus Rostock.

Rostocks Polizeichefin Anja Hamann sprach von einem „beschämenden Vorfall“, dessen Hintergründe ermittelt würden. Sie sei „froh“, dass der Verdächtige aufgrund der Präsenz der Polizei vor Ort so schnell identifiziert worden sei, erklärte sie. Sie wies zugleich darauf hin, dass es sich um ein noch nicht strafmündiges Kind handle. Die Grenze dafür liegt in Deutschland bei 14 Jahren.

In Rostock-Lichtenhagen hatte vor 30 Jahren ein Mob aus Rechtsextremisten und Randalierern tagelang unter Beifall von Schaulustigen versucht, Unterkünfte von Ausländern zu stürmen. Die Bilder gingen um die Welt und sorgten für Entsetzen. Am Donnerstag erinnert Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Rostock an die Ereignisse, er besucht unter anderem den Stadtteil Lichtenhagen.