Geschichte

Treptow: Karl Kunger, der als Hilfsarbeiter gegen die Nazis kämpfte

Mit neuen Informationstafeln und eiener Gedenkveranstaltung erinnert der Bezirk Treptow-Köpenick an einen von den Nazis hingerichteten Widerständler.

Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Karl Kunger und andere, 19. März 1943
Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Karl Kunger und andere, 19. März 1943Gedenkstätte Plötzensee

Zum Gedenken an Karl Kunger wurden auf Initiative der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick in der Karl-Kunger-Straße informative Zusatzschilder installiert. Damit können Bürgerinnen und Bürger sich direkt vor Ort über die historische Bedeutung Karl Kungers informieren.

Die Installation der insgesamt 15 Schilder erfolgte rechtzeitig vor dem 8. Mai, dem Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus und soll ein Zeichen für eine lebendige Erinnerungskultur im öffentlichen Raum setzen. Die Schilder befinden sich an folgenden Standorten Lohmühle, Krüllstraße, Bouchéstraße, Wildenbruchstraße und Elsenstraße.

Am 8. Mai 2025 wird an der Karl-Kunger-Straße / Ecke Bouchéstraße um 14:15 Uhr eine Gedenkveranstaltung gemeinsam mit Bezirksbürgermeister Igel und der Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, Straßen, Grünflächen und Umwelt Leistner stattfinden.

Zur Biografie von Kunger schreibt die Gedenkstätte Plötzensee: „Der Hilfsarbeiter Karl Kunger tritt 1931 der KPD bei und arbeitet vor allem in der Internationalen Arbeiterhilfe. Nach 1933 setzt er sein Engagement unter illegalen Bedingungen fort. Er ist Teil eines Widerstandskreises, der Flugblätter verbreitet und zum Widerstand gegen das NS-Regime aufruft. Karl Kunger ist seit 1937 als Lagerarbeiter im AEG-Apparatewerk in Berlin-Treptow tätig. Hier findet er Kontakt zu einer illegalen kommunistischen Gruppe, die dem Widerstandskreis um Robert Uhrig angehört. Kunger beteiligt sich an der Verbreitung von Flugblättern und Losungen, durch die die Beschäftigten auf­gerufen werden, gemeinsam mit den Zwangsarbeiter­innen und Zwangsarbeitern des Werks die Kriegs­produktion zu sabotieren. Am 10. September 1942 wird Karl Kunger festgenommen, vom „Volksgerichtshof” am 19. März 1943 zum Tode verurteilt und am 18. Juni 1943 in Plötzensee ermordet.“

Nach dem Ende der Weimarer Republik war die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) die drittstärkste politische Kraft im Land. Ihre Mitgliederzahl stieg von 1928 bis 1932 erheblich an.

Während der Hitler-Diktatur hatte die KPD schließlich von allen Parteien der Weimarer Republik die meisten Opfer zu beklagen. Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand erläutert: „ Tausende ihrer Mitglieder wurden von 1933 bis 1945 hingerichtet, in Konzentrationslagern und Zuchthäusern ermordet, angeblich ,auf der Flucht erschossen‘ oder in den Selbstmord getrieben. Nach durchaus realistischen Berechnungen wurden 1933 und 1934 60.000 Kommunisten inhaftiert, 1935 wurden 15.000 verhaftet. Insgesamt befanden sich von den etwa 300.000 KPD-Mitgliedern (1932) etwa 150.000 mehr oder weniger lang in Haft. Bereits in den beiden ersten Jahren der Nazi-Diktatur sind etwa 2.000 Kommunisten ermordet worden, bis Kriegsende soll deren Zahl auf 20.000 gestiegen sein.“ Die Dimension der Verfolgung durch die Gestapo unterscheide den kommunistischen Widerstand von dem aller übrigen politischen Gruppen, denen auch nicht annähernd so viele Opfer abverlangt wurden. Diese große Zahl der Verfolgten dokumentiert das beachtliche quantitative Ausmaß der kommunistischen Aktivitäten, selbst wenn Verfolgung allein noch keineswegs Indiz eines effektiven Widerstandes ist.

Der Widerstand der KPD basierte auf der Idee einer proletarischen Revolution und der Errichtung einer Diktatur des Proletariats. Diese Zielsetzungen führten oftmals zu Differenzen mit anderen oppositionellen Gruppen, insbesondere der Sozialdemokratie. Die KPD führte in den 1930er Jahren mehrere Konferenzen im Exil durch, um den Widerstand zu organisieren und neu zu beleben.

Die Parteiführung der KPD, die oftmals der sowjetischen Politik folgend handelte, unterstützte in den 1930er Jahren die stalinistischen Säuberungen, die auch bedeutende KPD-Funktionäre trafen. Trotz der erlittenen Verfolgungen setzten sich kommunistische Aktivisten immer wieder gegen das NS-Regime ein.

Der Beginn des Zweiten Weltkriegs stellte den Widerstand vor neue Herausforderungen. Der deutsch-sowjetische Pakt von 1939 wurde von der KPD trotz innerparteilicher Spannungen unterstützt. In den folgenden Jahren bis zum Überfall auf die Sowjetunion 1941 war der organisierte Widerstand der KPD weitgehend zerschlagen.

Bei der Erstellung des Artikels wurden KI-Technologien eingesetzt.