Der Späti ist eine Institution in Berlin. Bisweilen wird über ihn sogar zärtlich herumfantasiert, er sei ein Kulturgut, das es zu beschützen gelte. Doch der Wind hat sich gedreht. Verlängerte Öffnungszeiten und Lieferung per App haben den traditionellen Spätverkauf längst ersetzt. Hässliche Miniläden, die mit trashiger Leuchtreklame schöne Fassaden verunzieren und sich grundlos elitär überteuert geben, braucht demzufolge kein Mensch mehr.
Wären die Waren erlesen und die Verkaufsberater von herzerwärmender Freundlichkeit, würde man vielleicht aus Mitleid manchmal noch einkehren. Doch ein Späti bietet meist nur unattraktive Discounterprodukte an und das Personal ist so herablassend, dass einem die übellaunigen Strumpfwarenverkäuferinnen in moribunden Kaufhäusern im Vergleich wie Mütter Teresas erscheinen. Verächtlich wird man aus Verstecken hinter Bierkästenstapeln und Schokoriegeln beäugt und schnell hinausgewimmelt, falls man eine sortimentsbezogene Frage hat. Man könnte meinen, das Geld würde in vielen 24/7-Shops nur nebenbei verdient, so abgehoben wirken die Verkäufer.

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