Weltausstellung

Showdown um Tegel: Kommt die Expo 2035? Der Druck auf Kai Wegner wächst

Während die Regierungsspitze zögert, fordern lokale Politiker und Wirtschaftsvertreter eine schnelle Entscheidung für die Expo 2035. Die Pläne für das TXL-Gelände im Detail.

Daniel-Jan Girl möchte die Expo 2035 nach Berlin holen.
Daniel-Jan Girl möchte die Expo 2035 nach Berlin holen.Emmanuele Contini/Berliner Zeitung

Die Debatte um den Standort für die Weltausstellung 2035 in Berlin erhält neuen Schwung. Während die Senatsspitze weiterhin zögert, bildet sich auf lokaler Ebene politischer Druck, insbesondere in Bezug auf das Areal des ehemaligen Flughafens Tegel. Befürworter bringen Tegel erneut als Hauptstandort ins Spiel und sehen in der Expo eine Chance statt einer stadtplanerischen Hürde.

Samuel Märkt, SPD-Direktkandidat für das Abgeordnetenhaus in Reinickendorf, ist ein treibender Faktor dieser neuen Entwicklung. Kürzlich lud er den Geschäftsführer der Expo 2035 Berlin GmbH, Henning Wehmeyer, sowie Wirtschaftsstaatssekretär Severin Fischer und lokale Wirtschaftsvertreter zu einem Gespräch ein. Märkt fordert ein klares Bekenntnis des Regierenden Bürgermeisters zur Expo und zügige Entscheidungen für Tegel.

Tegel als Expo-Standort

Tegel schien nach klaren Absagen von der landeseigenen Tegel Projekt GmbH, die betonte, dass die benötigten Flächen nicht zur Verfügung stünden, bereits aus dem Rennen. Märkt sieht jedoch keine Widersprüche, sondern ungenutzte Synergien. „Die Expo und das Nachnutzungskonzept haben das gemeinsame Ziel, den ehemaligen Flughafen zum Innovationsstandort Nummer eins zu verwandeln“, erläutert er. Durch die Weltausstellung könnten laut Märkt neue wirtschaftliche Impulse für die gesamte Stadt entstehen.

Märkt erwartet zudem Unterstützung des Bundes, um den Platzmangel zu beheben: „Ich hoffe, dass der Bund die Hubschrauberstaffel früher als geplant verlegt, um Flächen für die Expo und den Wohnungsbau bereitzustellen.“ Dabei müsse jedoch gleichzeitig eine große Anzahl neuer Wohnungen geschaffen werden. Märkt sieht auch sportliche Vorteile durch eine Umplanung des TXL-Geländes, da so geeignete Sportanlagen entstehen könnten.

Ab 1. Mai könnte Deutschland sich für Expo bewerben

Die Wirtschaft zeigt sich solidarisch mit diesem Ansatz. Expo-Geschäftsführer Henning Wehmeyer bezeichnet die Weltausstellung 2035 als Jahrhundertchance für Berlin. „Sie steht für wirtschaftliche Dynamik und das Erwachen einer Stadt“, so Wehmeyer. Tegel biete dafür einen idealen Standort. In diesem Zusammenhang verweisen die Befürworter auch auf den nachhaltigen Mehrwert des Projekts. So betont Daniel-Jan Girl, Mit-Initiator der Expo-Bewerbung, den qualitativen Unterschied zu anderen Großevents: „Olympia zieht nach wenigen Wochen wieder ab. Die Expo baut Infrastruktur, die unserer Stadt dauerhaft erhalten bleibt.“

Heiko Kretschmer, Regionalsprecher des Managerkreises Berlin-Brandenburg, unterstützt diesen Standpunkt: „Berlin ist führend in Wissenschaft, Forschung und der Kreativwirtschaft. Die Expo sollte ein gemeinsamer Punkt für Wirtschaft und Stadtgesellschaft sein, um Berlins moderne Strahlkraft global zu präsentieren.“

Ab dem 1. Mai kann Deutschland offiziell sein Interesse in Paris anmelden. Das formelle Einreichungsschreiben muss durch den Bund erfolgen, der jedoch im föderalen System nur mit ausdrücklicher Rückendeckung des Landes tätig werden kann.

Der Ball liegt somit nun im Roten Rathaus bei Kai Wegner, der mit seiner formalen Zustimmung Berlin für diese historische Chance ins Rennen schicken könnte. Eine Anfrage an die Senatskanzlei zum weiteren Zeitplan blieb bislang unbeantwortet.