Am Montagmorgen wird gestreikt. Vor dem Baudenkmal Fernmeldeamt 1 Berlin in der Winterfeldstraße 21, einem beeindruckenden Industriebau aus dem Jahr 1927, haben sich Mitarbeiter versammelt. Sie fordern zwölf Prozent mehr Lohn. Das Gebäude gehört der Telekom. Auch die Innovation-Arena der Telekom hat dort ihren Sitz. Im Nachbargebäude befindet sich ein großes Rechenzentrum der PASM Power and Air Condition Solution Management GmbH, einem Tochterunternehmen der Deutschen Telekom.
Modellprojekt für Berlins Wärmewende
Im Rechenzentrum ist es laut. Die Lüftung dröhnt. Die vielen Rechner erzeugen Wärme. Jeder kennt das. Auch am Laptop befindet sich eine kleine Lüftung, die den Rechner kühlt und die warme Luft nach draußen pustet. Trotzdem wird das Gehäuse heiß. In einem großen Raum mit Hunderten Rechnern wird ungleich viel mehr Wärme erzeugt, die oft genug noch einfach in die Luft geht. Das soll sich ändern. Durch das Energieeffizienzgesetz für Rechenzentren werden diese schrittweise gezwungen, sich um ihre Abwärme zu kümmern und diese zum Beispiel zur Energiegewinnung zu nutzen.
Matthias Trunk, Vertriebsvorstand bei der Gasag: „Aus Abwärme Energie gewinnen, statt Abwärme in die Atmosphäre schleudern. Das wollen wir ändern.“ Und hier in der Winterfeldstraße 21 bieten sich günstige Ausgangsbedingungen. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das Pallasseum, ein großer Wohnkomplex aus den Siebzigerjahren. Dieser gehört der städtischen Wohnungsunternehmen Gewobag. Das Pallasseum wird das erste kommunale Wohnhaus sein, welches durch Abwärme mit Energie versorgt werden soll.
Im Rechenzentrum wird die warme Luft abgesaugt und heruntergekühlt. Dann geht die Luft wieder in den Raum. Zukünftig wird die warme Luft in eine höhere Etage geleitet, wo Wärmepumpen die Temperatur von 26 Grad auf 75 Grad erhitzen werden. Dafür wird grüner Strom genutzt. Über eine 140 Meter lange Wärmetrasse wird die gewonnene Energie ins Pallasseum geleitet. Dort werden ab dem 1. Oktober 2025 – so der Plan – 65 Prozent der benötigten Energie für die rund 500 Wohneinheiten CO₂-sparend und kostenneutral ankommen.
Umgesetzt wird dieses innovative Wärmewende-Projekt von drei Partnern: der Gasag, dem Besitzer des Rechenzentrums PASM und der Gewobag. Die Gasag investiert rund fünf Millionen Euro. Die modernen Wärmepumpen auf dem neuesten Stand der Technik und auch neue Gasspeicher für das Pallasseum sind kostenintensiv. Mit alter Technik kann man nicht effizient sein, deshalb wird alles für dieses Vorzeigeprojekt neu gebaut.






