Wie die Berliner ihren privaten Frühjahrsputz machen, geht niemanden etwas an. Meist bekommt davon auch niemand etwas mit. Denn nur selten ist zu beobachten, wie akribisch sich manche ins Saubermachen vertiefen. So wie der junge Mann, der am offenen Fenster der zweiten Etage eines Wohnhauses in der Ringbahnstraße steht, gegenüber vom Hauptgebäude der BSR – der Berliner Stadtreinigung. Er hat das schmale Fenster weit geöffnet, und saugt mit der Düse seines lauten Staubsaugers am Rahmen des Fensters alle Rillen aus, alle Löcher, alle Vertiefungen. Unten und oben, links und rechts. Immer wieder.
Kann man machen, muss man aber nicht. Denn wie ernst einzelne Berliner den Frühjahrsputz nehmen, ist ihre Angelegenheit, doch wie die Stadt als Ganzes damit umgeht, ist nicht egal. Das ist nicht nur von allgemeinem Interesse, weil es klassische Daseinsfürsorge für die Bürger ist – so wie eine funktionierende Müllabfuhr. Dieses Mal ist der Frühlingsputz auch ein Politikum. Nicht nur die BSR spricht von einem „Ausnahmewinter“.

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