Das Hochhaus steht da wie ein Körper, der seine eigene Verletzung noch nicht begreift. Einige Fenster kippen nach außen, als tasteten sie nach Luft. Hoch oben hängt eine verrußte Gardine schief im Rahmen, vom Rauch gezeichnet. Provisorisch vernagelte Bretter unterbrechen die Fassade, notdürftig, beinahe beschämend. Über der dritten Etage zieht sich ein dunkler Schatten entlang – als habe jemand mit Kohle eine Wunde in den Beton gerieben. Und unten, nahe dem Eingang, haftet der zerfledderte Rest eines Absperrbandes wie ein letzter, stummer Satz, den niemand auszusprechen wagt.
Wer hier an der Dolgenseestraße 21/22 in Friedrichsfelde lebt, spricht viel leiser als sonst – weil jeder im Haus weiß, dass in der Nacht des 11. Februars Menschen um Luft gerungen haben, Angst vor dem, was kommt. Am Ende gingen drei Leben verloren. Nach wie vor sind die Anwohner in diesem Ortsteil des Bezirks Lichtenberg schockiert.

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