Ein leichter Brandgeruch weckte Lukas Z. in der Nacht zum 28. September des vorigen Jahres. Er hatte in seinem Bett im Spitzdach einer Doppelhaushälfte geschlafen. Doch erst als sein Kollege Maksymilian M. in das Zimmer kam und im Dunkeln seine Sachen zusammenpackte, wurde er stutzig. Lukas Z. fragte, was los sei. Der Kollege, der Mund und Nase bedeckt hatte, antwortete ruhig: „Es brennt.“ Dann verschwand er. Kurz darauf stand das ganze Haus in Flammen.
Die Aussage von Lukas Z. wird an diesem Dienstag von einer Kriminalistin wiedergegeben, die Z. damals vernommen hat. Sie ist Zeugin im Prozess gegen Maksymilian M., einen polnischen Monteur, der in jener Nacht in der Unterkunft seiner Landsleute im Hornetweg in Marzahn Feuer gelegt haben soll. Zwei Menschen, 23 und 38 Jahre alt, starben, vier Kollegen des Angeklagten wurden schwer verletzt.
Maksymilian M. ist 28 Jahre alt und lebt eigentlich im polnischen Toruń. Er wurde zwei Tage nach dem verheerenden Feuer in Polen festgenommen und einige Tage später nach Deutschland überstellt. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.
Der Staatsanwalt wirft ihm zweifachen Mord und versuchten Mord in vier Fällen vor. Er geht davon aus, dass M. das Feuer heimtückisch, mit gemeingefährlichen Mitteln und aus niedrigen Beweggründen gelegt hat.
Nach Angaben der Ermittler wird die Doppelhaushälfte regelmäßig an polnische Firmen vermietet, die ihre bei Berliner Unternehmen tätigen Facharbeiter dort unterbringen. Die Firmen sollen in schneller Folge wechseln. Nachbarn haben wohl erzählt, dass es nachts immer wieder zu Lärmbelästigung und Trinkgelagen gekommen sei.
So soll auch in der Tatnacht bei den Bewohnern der Doppelhaushälfte nicht unerheblich viel Alkohol geflossen sein. Beim Kochen begannen dann ein Streit und eine körperliche Auseinandersetzung zwischen dem Angeklagten und einem Kollegen. Lukas Z. soll dazwischengegangen sein, um zu schlichten.
Doch die Situation beruhigte sich offenbar nicht. Im Schlafraum der Männer im Spitzdach soll Maksymilian M. ein Messer aus seinem Nachttisch geholt, damit seinen Kontrahenten verletzt und dafür von diesem eine Ohrfeige erhalten haben. Dann verließ M. das Haus, um kurz darauf einen furchtbaren Plan in die Tat umzusetzen.

„Gegen 2.35 Uhr legte der Angeklagte im Wohnzimmer im Erdgeschoss auf unbekannte Weise Feuer“, sagt der Staatsanwalt. Maksymilian M. habe sich wegen des Streits rächen wollen – und für die Tat den Schlaf der anderen sechs Bewohner des Hauses ausgenutzt. Lukas Z. war es, der nach dem Ausbruch des Feuers versucht hatte, seine Landsleute zu wecken und somit zu retten.
Als die Feuerwehr um 2.53 Uhr alarmiert wurde und kurz darauf am Ort eintraf, brannte das Gebäude schon in voller Ausdehnung. „Es war ein sehr intensives Feuer, selbst die Aluminiumrollläden an den Fenstern waren schon weggebrannt“, berichtet der Einsatzleiter der Feuerwehr. Den Rettern sei es auch schwer gemacht worden, ins Haus zu gelangen. Die Tür war von innen verschlossen.
Drei Menschen gelang es, aus einem Fenster des Obergeschosses auf ein Vordach zu klettern. Ein Mann kam mit lebensgefährlichen Verbrennungen in ein Krankenhaus. 40 Prozent seiner Körperoberfläche sollen verbrannt sein. Zwei Männer starben in den Flammen.
Maksymilian M. soll im Auslieferungsverfahren die Tat bestritten haben. Am ersten Verhandlungstag sagt er keinen Ton. Dagegen erklärt seine Anwältin, dass es „heute keine Einlassung geben wird, aber am Donnerstag“.
