Mörder und Sexualstraftäter

Brandenburgs gefährlichster Verbrecher: Frank Schmökel im Krankenhaus

Sechsmal entkam der 63-jährige Mörder und Sexualstraftäter aus dem Maßregelvollzug. Seit Montag ist er nicht mehr hinter Gittern.

Er gilt als hochmanipulativ und nicht therapierbar - Frank Schmökel.
Er gilt als hochmanipulativ und nicht therapierbar - Frank Schmökel.Michael Urban/dpa

„Nun mach ich Schluss für heut. Schnöderich, um in den Besitz eines Autos zu kommen, würde ich auch töten.“ Es ist einer der Sätze, die der Gewaltverbrecher Frank Schmökel am 1. November 2000 auf seiner Flucht vor der Polizei an seinen Kumpel im Maßregelvollzug schreibt, den er Schnöderich nennt.

Es sind vier Briefe, die die Fahnder an einem Schlafplatz des Flüchtigen gefunden haben – sie sind verfasst wie ein Tagebuch, wurden jedoch nie abgeschickt. Einen Tag später macht Schmökel seine Ankündigung wahr.

Das Schreiben zeigt die Gefährlichkeit des 1,92 Meter großen Hünen, der damals zum sechsten Mal aus dem Maßregelvollzug, einer geschlossenen Einrichtung für psychisch kranke Straftäter, entkommen war und dorthin auch wieder zurückkehren musste. 2017 wurde Schmökel allerdings in die Haftanstalt Luckau-Duben verlegt – in den regulären Strafvollzug.

Doch seit Montag ist der immer noch als hochgefährlich geltende Schmökel nicht mehr hinter Gittern – der 63-Jährige wurde am Montagabend mit einem Rettungswagen in das Spreewaldklinikum verlegt.

Laut Bild-Zeitung sei die örtliche Polizei gegen 18 Uhr informiert worden, dass Schmökel „aufgrund von Atemnot und Herzproblemen“ nach Lübben überstellt werden müsse. Seitdem liegt er auf der Intensivstation – wohl mit Verdacht, einen Herzinfarkt erlitten zu haben.

„Herr Schmökel hat am Montagabend gesundheitliche Beschwerden angezeigt, er wurde daraufhin ins Krankenhaus gebracht“, bestätigt Marta Gruß, die Sprecherin von Brandenburgs Justizminister Benjamin Grimm (SPD), die Verlegung Schmökels in eine Klinik. Über seinen derzeitigen Zustand habe sie keine weiteren Informationen. Die Klinik machte keine Angaben.

Bei der Großfahndung stellen Kriminalisten das Auto sicher, in dem Frank Schmökel auf der Fluch war.
Bei der Großfahndung stellen Kriminalisten das Auto sicher, in dem Frank Schmökel auf der Fluch war.Robert Michael/imago

Man kenne den „Status des Mannes“, habe aus der Vergangenheit Schlussfolgerungen gezogen und entsprechende Sicherungsmaßnahmen ergriffen, sagt Gruß. „Selbstverständlich werden Gefangene, und gerade auch Frank Schmökel, in Gesundheitseinrichtungen von Bediensteten des Justizvollzugs bewacht“, so die Sprecherin. Die Gefährlichkeit des Patienten sei allen bewusst.

Schmökel gilt in Brandenburg als der gefährlichste Gewaltverbrecher, dem immer wieder die Flucht gelang. Der gelernte Rinderzüchter war 25 Jahre alt, als er erstmals wegen versuchter Vergewaltigung vor einem Gericht stand.

Bis 1992 wurden vier Schülerinnen im Alter von acht bis zwölf Jahren seine Opfer. Fünfeinhalb Jahre Haft erhielt Schmökel dafür und landete im Maßregelvollzug. Kaum ein Jahr verging, als er Ausgang erhielt und nicht wiederkam.

Gitterstäbe am Fenster durchsägt

In einem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern entführte er ein elfjähriges Mädchen, missbrauchte und würgte es. Als er glaubte, das Kind sei tot, ließ er von ihm ab. Acht Tage später wurde er festgenommen und wegen versuchten Mordes und sexuellen Missbrauchs zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt. Wieder kam er in die Klinik für psychisch kranke Straftäter – und entkam Ende 1995 erneut.

Aus dem Tagebuch von Schmökel: Um in den Besitz eines Autos zu kommen, hat er getötet.
Aus dem Tagebuch von Schmökel: Um in den Besitz eines Autos zu kommen, hat er getötet.

Gefasst wurde er diesmal in der Nähe des Wohnortes seiner Mutter. Nach einigen Monaten bekam Schmökel erneut Lockerungen, durfte im Garten einer Familie arbeiten. Und floh erneut, diesmal im gestohlenen Auto der Familie. Auf dem Weg zu seinem früheren Opfer in Mecklenburg-Vorpommern wurde er bei einer Verkehrskontrolle aufgegriffen.

Zwar galt nun im Maßregelvollzug die höchste Sicherheitsstufe für Schmökel. Trotzdem konnte er im Februar 1997 die Gitter vor dem Fenster seines Zimmers durchsägen und zusammen mit einem Mitpatienten fliehen. Er hinterließ in seinem Zimmer einen Zettel mit einer beunruhigenden Nachricht: „Tut mir leid, die Kleine geht mir einfach nicht aus dem Kopf.“

Nach acht Tagen endete seine Flucht, Schmökel kam zurück in den Maßregelvollzug nach Neuruppin. Und obwohl er nun streng überwacht wurde, konnte er erneut die Gitterstäbe vor seinem Fenster durchtrennen und sich abseilen. Diesmal dauerte sein Ausbruch nur einen Tag.

In der Landesklinik Brandenburg in Brandenburg/Havel war Schmökel viele Jahre untergebracht.  Am 25. Oktober 2000 erhielt er Ausgang und entkam beim Besuch bei seiner Mutter.
In der Landesklinik Brandenburg in Brandenburg/Havel war Schmökel viele Jahre untergebracht. Am 25. Oktober 2000 erhielt er Ausgang und entkam beim Besuch bei seiner Mutter.Nestor Bachmann/dpa

Der Maßregelvollzug erhielt daraufhin neue Gitter. Doch Ende April 2000 bekam er Lockerungen, die Ausgänge einschlossen. In sein Tagebuch schrieb er: „Oktober Hausbesuch bei Mutter, letzter Termin, Flucht unausweichlich.“

Am 25. Oktober 2000 setzte er seinen Plan um. Beim Besuch seiner Mutter stach er drei Menschen nieder und brachte auf seiner Flucht einen Mann um, um an dessen Auto zu gelangen. 1500 Polizeibeamte aus fünf Bundesländern suchten den Gewaltverbrecher, nach 13 Tagen konnte er bei Bautzen gefasst werden.

Schmökel kam nun in einen eigens hergerichteten Isolationsraum der Landesklinik in Brandenburg/Havel. Die vergitterten Fenster waren mit Panzerglas versehen. Rund um die Uhr wurde er mit einer Kamera bewacht. Im anschließenden Mordprozess erklärte ein Gutachter, dass Schmökel nicht therapierbar sei.