Die Woche nach dem EM-Finale in Berlin beginnt nicht mit den von manchen befürchteten größeren Problemen mit enttäuschten Fans – wütende Fußballmänner können gefährlich sein. Am Morgen danach ist es glücklicherweise harmlos, aber doch unangenehm: Die Berlinerinnen und Berliner sind mit der Straßenbahn auf dem Weg zur Arbeit, die letzten Fußballfans auf dem Weg ins Bett.
Da stehen ein Mann mit einer spanischen Flagge und ein Brite in der Tram, Sieger und Verlierer beieinander. Sie trinken Bier, sind aber friedlich. Das ist der positive Part: Sie sind Fans, keine Feinde. Der negative Part ist nicht etwa, dass sie betrunken sind, sondern dass der dicke Brite morgens mit nacktem Oberkörper in der Bahn steht.
Ein typisches Beispiel aus der Rubrik: Dinge, die nur Männer machen. Frauen aus England oder Spanien wurden am Morgen danach weder mit Bierflaschen noch mit nackten Oberkörpern gesichtet. Über Männer-Unsitten wurde an dieser Stelle bereits in zwei Kolumnen berichtet, nun folgt die dritte, denn es hat sich schon wieder einiges angesammelt.
Zeigefreudige Sportler mitten in Berlin
Neulich an der Brücke zur Museumsinsel: Es ist sommerlich warm, kurz vor halb zwölf sind reichlich Touristen unterwegs. Da steht ein Mann, braun gebrannt, schon etwas älter, glänzende Halbglatze, grauer Haarkranz. Er hat sich einen jungen Mann geschnappt, vielleicht seinen Enkel, und hebt ihn in die Höhe. Er agiert wie ein klassischer Gewichtheber, nur dass er eben keine Metallstange mit schweren Gewichten in die Höhe stemmt, sondern einen Menschen. Warum auch immer. Er macht es auch noch so, dass es alle sehen, also mitten auf der Straße. Autos müssen anhalten, andere filmen die Szene. Männer eben.
Dann im Friedrichshain: Das Ringcenter ist gerade eingerüstet, ein Wachmann steht an der Frankfurter Allee, plötzlich geht er ein Stück unter das Gerüst, springt hoch, hält sich an einer Querstange fest und macht zwanzig Klimmzüge. Dann geht er an seinen Arbeitsplatz zurück, raucht eine Zigarette und grinst ganz stolz. Männer.
Als bei uns in der Nachbarschaft eine ganz große Hausparty gefeiert wird, sind es natürlich nur Männer, die da in der Punkband im Hinterhof spielen. Sie lärmen so laut, dass in den umliegenden fünf Häusern stundenlang niemand mehr irgendetwas machen kann. Der höllische Hauptlärm geht „nur“ fast bis Mitternacht, aber nachts um vier Uhr sitzen noch immer Leute am Feuer und diskutieren laut. Natürlich nur Männer.


